Seiteninhalt
22.03.2017

Der "Tolen unter dem Hafenmarkt" - baubegleitende Untersuchungen in der Franz-Ludwig-Straße

Im Rahmen der Neuverlegung von Gas- und Wasserleitungen in der Franz-Ludwig-Straße werden derzeit auch baubegleitende archäologische Untersuchungen durchgeführt (Grabungsleitung Anke Köber M.A.). Der Leitungsgraben ist durch zahlreiche ältere Eingriffe zwar bereits stark gestört, so dass sich in den Baugrubenprofilen kaum mehr stratigraphisch bedeutsame Schichtbefunde erhalten haben. Gleichwohl konnte auf der rund 1,20 m tiefen Baugrubensohle im gesamten bisherigen Untersuchungsbereich ein massives Sandsteinmauerwerk aufgedeckt werden.

Bei der Antwort auf die Frage, was sich hinter dem Befund verbirgt, hilft ein Blick in die Historie. So geht die Franz-Ludwig-Straße erst auf einen Durchbruch des Jahres 1865 zurück. Zuvor lag im heutigen Westteil der Straße die alte Garküchenstraße, die im Osten als Sackgasse an einer platzartigen Erweiterung endete, welche 1590 erstmals als Hafenmarkt, wo Töpfer ihre Waren feilbieten konnten, bezeichnet wird.
Der Hafenmarkt wiederum wurde zur heutigen Promenade hin durch die aus dem 15. Jahrhundert stammende Stadtmauer begrenzt. Ermöglicht wurde die Anlage der Garküchenstraße und der kleinen Marktfläche jedoch erst durch die spätmittelalterliche Erweiterung der Stadt. Zuvor verlief die ältere Stadtmauer ein Stück südlich der heutigen Franz-Ludwig-Straße. Zur Mauer gehörte auch ein vorgelagerter Stadtgraben, der in etwa im Bereich des bestehenden Straßenverlaufs lag.
Mit der Stadterweiterung und dem Neubau der Mauer im 15. Jahrhundert wurde die ältere Befestigung natürlich obsolet – und dementsprechend aufgegeben. Weite Teile der Mauer wurden abgebrochen, während man den alten Stadtgraben kanalisierte und in eine unterirdische Dole zwang. Erstmals erwähnt wird der „Tolen“ bereits im Jahr 1469. Zwanzig Jahre später sind erste Ausbesserungsarbeiten am „Gedüll“ überliefert, 1594 wird der „Tolen unter dem Hafenmarkt“ nochmals explizit genannt. 1707 schließlich berichten die städtischen Quellen von massiven Schäden, die in der Folge zu weiteren Ausbesserungsarbeiten führten.

Der jetzt im Straßenverlauf zu Tage getretene Mauerbefund ist identisch mit dem in den Quellen genannten Kanal. Die aktuelle Baugrube folgt dabei weitestgehend dem Scheitel der Dole, so dass deren seitliche Begrenzung außerhalb der Grabungsgrenzen liegt. Offenbar wurde der Kanal bereits im Rahmen älterer Baumaßnahmen mehrfach angeschnitten. Dies zeigen einzelne, bereits verfüllte Abschnitte an. Eine Dokumentation ist dabei jedoch in keinem Fall erfolgt…

 

Highslide JS
Franz-Ludwig-Straße, Scheitel des Kanals.
Highslide JS
Franz-Ludwig-Straße, Scheitel des Kanals.

 

Weitere Informationen: