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Die Baumaßnahmen an der Oberen Brücke aus archäologischer Sicht...

Nachdem die Abdichtungsmaßnahmen an der Oberen Brücke mittlerweile abgeschlossen sind und auch die abschließenden Pflasterarbeiten bereits aufgenommen wurden, lohnt es sich, die vorausgegangenen Arbeiten noch einmal kurz aus dem Blickwinkel der Archäologie zu betrachten.

Zur Abdichtung des inselseitigen Brückenbogens war es notwendig, die Auffüllungen oberhalb des gemauerten Bogens sowie zwischen den Bogenansätzen und den Widerlagern maschinell zu entfernen. Die hierfür erforderlichen Baggerarbeiten wurden durch die Stadtarchäologie begleitet. Dabei konnten einige interessante Details zur Geschichte der zwischen 1452 und 1456 erbauten Oberen Brücke festgestellt werden.

So war offenbar bereits den mittelalterlichen Baumeistern das Problem der Durchfeuchtung des Bauwerks durch von oben eindringendes Regenwasser bewusst.
Während die heutigen Ingenieure die Brücke durch aufwändige Abdichtungsmaßnahmen sichern, bediente man sich im 15. Jahrhundert wesentlich einfacherer Verfahren. Das damalige Mittel der Wahl hieß schlicht und ergreifend Lehm!
Ein dickes Lehmpaket, aufgebracht in den Zwickeln zwischen Bogenansätzen und Widerlagern sowie direkt auf dem Gewölbe sollte bezüglich der Feuchtigkeitsproblematik Abhilfe schaffen. Im Anschluss wurden die Gewölbezwickel mit Erdreich aufgefüllt. Letzteres – so verraten zeitgenössische Quellen – stammte dabei aus der Judenstraße. Wohl von einer dortigen Baustelle wurden insgesamt 206 Karrenladungen zur Brückenbaustelle verbracht.

Wie lange durch diese ersten Abdichtungsmaßnahmen der gewünschte Effekt erzielt werden konnte, entzieht sich freilich unserer Kenntnis. Legt man die urkundliche Überlieferung zu Grunde, waren nach der Erbauung der Oberen Brücke zumindest für etwas mehr als ein halbes Jahrhundert keine Reparaturen erforderlich.
Erste Baumaßnahmen scheint es 1516 gegeben zu haben, umfangreichere Arbeiten an der Brücke wurden dann 1569 durch den damaligen Stadtbaumeister durchgeführt.
Bei dieser Gelegenheit wurden laut Urkunden auch mehrere Eisenstangen verbaut. Was sich hinter diesem „Aktenvermerk“ verbirgt, konnten nun die jüngsten Arbeiten an der Brücke klären.
Nach dem Abtrag der auf dem Brückengewölbe liegenden Deckschichten zeigten sich drei quer zur Fahrbahn verlaufende „Rippen“ aus längs hintereinander versetzten und vermauerten Sandsteinquadern, deren Deutung anfangs schwerfiel. Auffällig war jedoch, dass die Lage der Steinreihen mit jeweils drei großen Eisenklammern auf beiden Seiten des Brückenbogens korrespondierte. An einigen Stellen waren die von Brüstung zu Brüstung durchgehenden Sandsteinrippen durch moderne Versorgungsleitungen gestört, was letztlich zur Lösung des Rätsels führte: hier zeigten sich unter den Sandsteinquadern massive Eisenbänder! Diese fungierten (und fungieren bis heute) als Zugbänder, die mittels der außen verankerten Klammern ein Auseinanderdriften des Mauerwerks verhindern sollten.
Die Abdeckung der Zugeisen ist sicherlich erneut vor dem Hintergrund eindringender Feuchtigkeit zu sehen und als Schutz vor Korrosion zu verstehen – eine Thematik, die bis heute die Brückenbauer beschäftigt…