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Standort des Keßlertörleins nachgewiesen

Kurz vor Abschluss der Baumaßnahmen zur Neuverlegung einer Fernwärmeleitung in der Keßlerstraße konnte an deren nordöstlichem Ende erneut ein Relikt der hochmittelalterlichen Stadtbefestigung der Inselstadt aufgedeckt werden. Bereits vor Ausführung der Arbeiten war bekannt, dass hier die um 1200 errichtete Stadtmauer den Straßenbereich von Südosten nach Nordwesten quert. Zudem verfügte der Mauerring an dieser Stelle über ein Tor, das 1448 erstmals erwähnte Keßlertörlein.
Bei dem nun dokumentierten Befund handelt es sich um eine knapp 1,80 m lange Mauerwange, die unmittelbar vor dem Nordprofil des Leitungsgrabens zu Tage trat. Die archäologischen Beobachtungen belegen dabei eindeutig, dass die angetroffenen Begrenzungen des als Fundament anzusprechenden Sandsteinmauerwerks nicht das Ergebnis jüngerer Eingriffe bzw. Störungen darstellen. Vielmehr handelt es sich um die originalen Ausmaße.
In Verbindung mit der urkundlichen Überlieferung kann der Befund daher als nördliche Wange des Keßlertörleins angesprochen werden. Die vergleichsweise geringe Mauerstärke, die sicherlich keinen eindrucksvollen Torbau getragen hat, deckt sich mit der Bezeichnung des Mauerdurchlasses als „Törlein“, welches innerhalb des Befestigungsringes sicherlich nur eine untergeordnete Rolle als Pforte am Ende der ehemaligen „Keßlergaß“ spielte.