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28.11.2019

Das Gesicht (nicht nur) des Hains verändert sich

Trockene Sommer und der Klimawandel setzen den städtischen Grünflächen und Wäldern zu / 80 große Bäume im Hain sind nicht mehr zu retten

Die Kameradrohne steigt an der Schillerwiese auf und lässt den Blick langsam über die Baumwipfel des Bamberger Hains gleiten. Und dieser Blick zeigt Erschreckendes: Im sonst üppigen Grün sticht viel Gelb, Hellbraun und teilweise auch kahles Grau ins Auge. Die vielen kränkelnden oder bereits toten Bäume sind nicht zu übersehen. Und es sind besonders auch die älteren und großen Gehölze, die hier und an anderen Stellen im Hain darben oder den Kampf gegen Trockenheit und Schädlinge bereits verloren haben. Für Robert Neuberth, den Leiter des städtischen Gartenamtes, steht fest: „Hier im Hain sind die Auswirkungen der Klimaextreme eindrücklich erlebbar. Das Gesicht unseres Bürgerparks und anderer Grünanlagen wird sich teils dramatisch verändern.“

Diese düstere Bestandsaufnahme präsentierte der Chef der städtischen Parks und Grünanlagen dem Bamberger Stadtrat in seiner Sitzung am 27. November. Und auch die städtische Forstverwaltung musste von einem stark zugenommenen Schadensbild berichten: Vor allem Fichten, Kiefern und Buchen leiden in den städtischen und stiftischen Wäldern unter Trockenstress und hoher Sonneneinstrahlung der vergangenen zwei Jahre, wie Forstamtsleiter Johannes Hölzel darlegte.

Doch zunächst zurück in den Hain: Hier ergab die Bestandsuntersuchung, dass 80 stattliche Altbäume (im Wesentlichen Rotbuchen und Fichten) definitiv absterben und unabweislich binnen kurzer Zeit gefällt werden müssen. Das Gesicht des Hains wird sich also schnell und teilweise erheblich wandeln. Besondere „Hotspots“ im Hain sind die Bereiche zwischen Bootshaus und Hainbrücke, zwischen Botanischem Garten und rechtem Regnitzarm sowie südlich der Schillerwiese. Und natürlich ist nicht allein der Hain betroffen. Im gesamten Stadtgebiet sind bis Ende des Jahres 310 Bäume zu ersetzen. Bei 200 davon ist das Absterben auf die Folgen des Klimawandels zurückzuführen. 110 Bäume hatten Alters- und andere Vorschäden.

Alles hätte noch schlimmer kommen können, hätte nicht das Gartenamt seinen Aufwand für das Gießen der Straßenbäume deutlich erhöht. Waren es 2017 noch 363 Arbeitsstunden, die dafür aufgewendet wurden, mussten im Hitzesommer 2018 684 Stunden geleistet werden. Die langandauernde Trockenphase im Jahr 2019 erforderte einen noch höheren Einsatz: 827 Arbeitsstunden verzeichnete das Gartenamt nur für diesen Zweck. Neben dem Einsatz von amtseigenen Gießfahrzeugen wurden darüber hinaus noch zwei Traktoren mit Pumpwasserwagen angemietet. Hunderte von jungen Bäumen konnten nur so gerettet werden. Sogar die Feuerwehr half mit und bewässerte zusätzlich rund 1000 Bäume.

Neue Arten braucht das Land

Dass Gießen alleine nicht ausreicht, um den Folgen des Klimawandels zu begegnen, ist gleichwohl klar. Bei Neuanpflanzungen setzt man daher immer mehr auf sogenannte „Klimabäume“, also Arten, die mit den Klimaveränderungen und einhergehenden Wetterextremen besser zurechtkommen. Dazu zählen Eschen-, Ahorn-, Eichen- und Linden-Arten oder die Esskastanie. Aber auch wenig bekannte Arten wie Amber oder Blauglockenbäume nennt Gartenamtsleiter Neuberth „vielversprechend.“ Außerdem achte man seit geraumer Zeit besonders auf die Schaffung großzügiger Baumscheiben mit mindestens 12 Kubikmeter großen Baumgruben. Zusammen mit dem Einsatz von speziellem Pflanzsubstrat, Bodenhilfsstoffen und teilweise zusätzlichen Bewässerungseinrichtungen schaffe man so gute Voraussetzungen für das Wachstum neuer Straßenbäume.

Geringeres Risiko für den Wald

Und wie schaut es in den Wäldern aus? Johannes Hölzel, der Leiter der städtischen Forstverwaltung, präsentierte dem Stadtrat zunächst ebenfalls wenig erfreuliche Bilder. „Kalamitätsflächen“, so der Fachbegriff, gibt es im Stadtwald im Bamberger Süden mit seinen Kiefern und Fichtenbeständen genauso wie im Revier Sassendorf der Bürgerspitalstiftung. Doch er hat auch gute Nachrichten: Die große Vielfalt an Baumarten und Wachstumsphasen auf ganzer Fläche reduziert das Risiko in den städtischen und stiftischen Wäldern. „Auch wenn viele Waldbilder abgestorbene Bäume und lichte Kronen zeigen, ist in den meisten Fällen eine nächste Generation in der Zwischen- und Unterschicht des Waldes vorhanden“, so Hölzel. Außerdem betreibe die städtische Forstverwaltung bereits seit über drei Jahrzehnten „naturgemäße Waldwirtschaft“ und habe somit die eigenen Wälder schon gut auf den Klimawandel vorbereitet.

Entwarnung kann aber auch er nicht geben. Trockenheit, hohe Temperaturen und Massenvermehrungen von Schädlingen wie etwa dem Borkenkäfer setzen neben Fichten und Kiefern zunehmend auch Lärchen und Buchen zu. Dieser auch überregionale Trend hat zu einem Preisverfall auf dem Holzmarkt geführt, der auch der Forstverwaltung wirtschaftlich schmerzt. Hier wie beim städtischen Gartenamt gilt die Devise, die bereits begonnenen Vorsorgemaßnahmen zu intensivieren. Im Fall des Forstamtes heißt dies: Beschleunigung des Waldumbaus und eine stärkere Regulierung des Rehwildbestandes. Letzteres erfordert allerdings eine Flexibilisierung bei den jagdgesetzlichen Rahmenbedingungen. Der Stadtrat begrüßt daher Initiativen (wie zum Beispiel die „Rottaler Erklärung“), die den Praktikern mehr Freiräume beim Schutz der „Wälder von Morgen“ ermöglichen. Ein weiterer Baustein der Strategie sind intelligente Biomassekonzepte für Waldrestholz in Kooperation mit den Stadtwerken Bamberg. Diese planen u.a. den Neubau eines Heizwerkes zur Energieerzeugung aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz. Ziel ist, auch das im Zuge des Klimawandels vermehrt anfallende Holz gefällter Bäume zur nachhaltigen Wärmegewinnung zu nutzen.

Wie lautet das Fazit?

Der Klimawandel ist keine Zukunftsvision, er ist längst da. Der Blick auf den Hain und die Wälder ist nach zwei extrem trockenen Sommern tatsächlich erschreckend. Doch tatenlos zuschauen darf und muss man auch nicht. Sowohl das Gartenamt als auch das Forstamt als unmittelbar betroffene städtische Fachämter haben Strategien entwickelt, um den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen. Mit den Stadtwerken ist außerdem eine städtische Tochter mit an vorderster Front.