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Kunst im öffentlichen Raum Bambergs

Die Präsenz von Kunstwerken im öffentlichen Raum ist in Bamberg allgegenwärtig und mannigfaltig. Sie ergänzt das Stadtbild und die herausragende Architektur des Altstadtkerns um zahlreiche Zeitzeugen und Ausdrucksweisen in Form von Denkmälern, künstlerisch gestalteten Brunnen, Bildstöcken, Kreuzgängen und vor allem auch Kunstwerken als solchen. Die hochwertigen Arbeiten aus Mittelalter und Barock tragen eine exemplarische Rolle im kunsthistorischen Kontext. Der skulpturale Schatz Bambergs jedoch ist vielseitig und entstammt verschiedensten Epochen und Impulsen Bambergs als Kunststadt. Neben der stark präsenten kirchlich-religiösen Prägung, sind es Denkmale historischer Herrschaftsverhältnisse und Ereignisse, künstlerische Auseinandersetzungen mit lokalen Traditionen und großen Personen der Stadt, Zeugnisse aktiver „Kunst am Bau“-Phasen sowie die lokale Kunstszene mit ihren Potenzialen, die an verschiedenen Orten der Stadt ihre Geschichte(n) erzählen. In jüngerer Zeit nehmen die Gründung des Internationalen Künstlerhauses Villa Concordia und die aus diesem heraus initiierten Großplastikenausstellungen großen Einfluss. Durch diesen Facettenreichtum treten Gegensätze und verschiedene Felder der Kunst im öffentlichen Raum in vielseitige Wechselwirkungen.

Kunst im öffentlichen Raum hat in Bamberg eine lange Tradition. Sie spiegelt facettenreich die Zeiten und Strömungen der Kunstwelt und ist an vielen Orten anzutreffen. Bamberg ist vor allem als Stadt mittelalterlicher und barocker Skulptur bekannt. Dies äußert sich ganz konkret in der Fülle der religiösen oder zumindest religiös beeinflussten Kunst, die das Bamberger Skulpturen-Schaffen im Gegensatz zu dem anderer Städte ungewöhnlich stark prägt. Man kann Bamberg nicht ohne den Domreiter oder seine barocken Hausfiguren denken, die die skulpturale Referenz dieser Stadt bilden - und jede neue Anschaffung, jede neue Formgebung tritt, oft bewusst und gewollt, manchmal eher beiläufig in den Kontext und mitunter auch in die Konkurrenz zu dieser Hinterlassenschaft. Dieses Erbe wird bei jeder Überlegung zu Kunst im öffentlichen Raum in Bamberg eine Rolle spielen müssen.

Die zeitgenössische bildende Kunst hat in Bamberg erst in den allerletzten Jahren des 20. Jahrhunderts Einzug gehalten – und auch das nur zögerlich. Unterschwellig wirkten sich kirchen- und kulturpolitische Entscheidungen auf das künstlerische Leben der Stadt aus. Es waren dies zunächst Anfang der 1960-er Jahre das Zweite Vatikanische Konzil, das für den Innenraum katholischer Kirchen eine Umwälzung bedeutete und vielfältige Überlegungen zur Rolle der zeitgenössischen Kunst in der Kirche anregte. Auch die Gründung der Universität Bamberg ist ein nicht zu unterschätzender Faktor. Sie belebte die Stadt mit zahlreichen Lehrenden und Studierenden und änderte deutlich ihr Klima, wie sich im Zuge der Errichtung und Einweihung von Universitätsbauten zeitgenössische Kunst mehrfach in den öffentlichen Raum schlich (Herbert Peters, Yoshimi Hashimoto). „Kunst am Bau“ war in Bamberg einige Jahre lang ein Thema gewesen. Dies galt vor allem für Landesbehörden (Meide Büdel | Innenhof des Vermessungsamts, Hans Rucker | Landespolizeidirektion, Josef Michael Neustifter | Arbeitsamt u.a.) und Schulen, in schwankender Qualität allerdings und von der Öffentlichkeit noch weitgehend unbemerkt. Zum „Tummelplatz“ aller möglichen künstlerischen Richtungen entwickelte sich der Park des neuen Klinikums am Bruderwald. Hier wird allerdings eine gewisse Willkür deutlich, vielleicht auch der Wunsch, über den Bamberger Kreis hinaus künstlerische Richtungen zu versammeln. Die auf ortsansässige Künstler weitgehend beschränkte regionale Bildhauerszene behauptet hier und da Raum für sich (vgl. Stele von Hanns Bail am Klinikum; diverse Ankäufe für den Garten der Villa Dessauer). Sie verarbeitet gerne große Namen der Stadt, wie Heinrich und Kunigunde (Klaus Backmund | Kleberstraße 28; Bauer-Haderlein | Kunigundenbrunnen, Seehofstraße) und zahlreich E.T.A. Hoffmann (Hermann Leitherer | Haindenkmal, Robert Bauer-Haderlein | Richard-Wagner-Straße 4 / ehem. Landeszentralbank, Reinhard Klesse | Schillerplatz u.a.) und übernimmt zahlreiche Aufträge für Brunnen. Vor allem sorgten in den 80er Jahren zwei Wettbewerbe, der für einen Röhrenbrunnen sowie der für die Neugestaltung der Siechenkreuzung, für erhitzte Bamberger Gemüter und heftige Debatten. Erst nach und nach qualifizierte sich der Diskurs über Kunst im öffentlichen Raum in Bamberg im Zuge der vom Internationalen Künstlerhaus Villa Concordia initiierten Folge der Großplastikenausstellungen (Fernando Botero, Igor Mitoraj, Bernhard Luginbühl, Markus Lüpertz, Rui Chafes u.a.), die die zeitgenössische Kunst im öffentlichen Raum in der Welterbestadt auf ein neues Level hoben, den Gegensatz von Altstadtkulisse und gegenwärtigen künstlerischen Ausdrucksformen zum Dialog führte und die unmittelbarsten und sichtbarsten Folgen im Stadtbild zeitigten. Bis schließlich heute, durch die regelmäßigen Ankäufe einzelner Arbeiten im Anschluss an die Ausstellungen, auch eine stattliche Anzahl hochklassiger zeitgenössischer Plastiken prominent und nachhaltig das Stadtbild prägen. Wie seit 2009 auch der Skulpturenpark des Künstlers Bernd Wagenhäuser über dem Parkdeck der Konzert- und Kongresshalle, den dieser in 2003, ursprünglich auf der Böhmerwiese, installiert hatte.

Die im Jahr 2001 von Markus Hörsch publizierte Dokumentation mit dem Titel „Bamberger Skulptur und Plastik im öffentlichen Raum, vom Historismus bis Heute“ katalogisiert 313 Kunstwerke allein in den letzten 150 Jahren. Die ausführliche Dokumentation ist im Bestand des Stadtarchivs Bamberg zu finden. Die digitale Form kann hier kostenfrei heruntergeladen werden:

Markus Hörsch
BAMBERGER SKULPTUR UND PLASTIK IM ÖFFENTLICHEN RAUM,
VOM HISTORISMUS BIS HEUTE
EINE DOKUMENTATION

erstellt Oktober – Dezember 2001,
ergänzt im November 2015 durch das Stadtplanungsamt Bamberg