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18.03.2019

AG Historische Städte tagt in Bamberg

Gemeinsam nach Lösungen suchen

Neben der Vorstellung Bamberger Themen stand die stadtbild-verträgliche „Telekommunikationsinfrastruktur“ im Fokus

Dreimal pro Jahr treffen sich die sechs Mitgliedsstädte der Arbeitsgemeinschaft Historische Städte zum Erfahrungsaustausch. Zum ersten Treffen 2019 ging es nach Bamberg, wo Oberbürgermeister Andreas Starke und Baureferent Thomas Beese die Delegationen aus Görlitz, Lübeck, Meißen, Regensburg und Stralsund begrüßen konnten. Neben der Vorstellung Bamberger Vorhaben wie dem Neubau der Maria-Ward-Schulen, das Quartier an der Stadtmauer und das neue Besucherzentrum Welterbe standen übergreifende Themen auf dem Tagungsprogramm vom 14. bis 15. März.

Gegenstand der Tätigkeit der Arbeitsgemeinschaft (AG) sind u.a. grundlegende Fragestellungen der Stadtentwicklung mit dem Schwerpunkt zukunftsfähiger Konzepte für gewachsene Strukturen und für authentische Bausubstanz. Darüber hinaus werden bei wichtigen Fragestellungen gemeinsame Positionen gegenüber externen Verantwortungs- und Entscheidungsträgern formuliert, nicht allein zum Wohl der Mitglieder, sondern mit dem Blick auf generelle Fragen und Themen der Stadtentwicklung in Deutschland.

Im Fokus der Diskussionen der beiden Tage stand hier der Umgang mit der Telekommunikationsinfrastruktur in historischen Städten und konkret die „Stadtbild-Verträglichkeit“ so genannter Multifunktionsgehäuse (MFG). Zum Meinungsaustausch hierüber war die Deutschen Telekom Technik GmbH eingeladen. Diese beteiligt sich als Telekommunikationsunternehmen am Aufbau eines modernen hochleistungsfähigen Telekommunikationsnetzes in Deutschland, um die stark wachsenden Datenvolumina der Telekommunikation zu bewältigen. Ziel ist es, flächendeckend angemessene und ausreichende Dienstleistungen zu gewährleisten. Bei der Erreichung dieses Ziels dürfen aber andere berechtigte Interessen nicht gänzlich außer Acht gelassen werden. Hier betrachtet die AG Historische Städte mit Sorge eine Entwicklung, die zu starken Beeinträchtigungen insbesondere in den historischen Innenstädten führen. Die Rede ist von der zunehmenden Flut von Anträgen zur Aufstellung von Verteilerkästen, wie die MFG landläufig auch bezeichnet werden. Diese haben zudem eine Größe und Gestalt erreicht, die mit der historischen, oftmals denkmalgeschützten Bebauung in unseren Städten nicht verträglich sind.

Die Telekom selbst hat den Gestaltungsbedarf erkannt und aktuell die Aktion „AUS GRAU WIRD BUNT“ initiiert. Im Zusammenhang damit geht es vor allem um Eigentumsrecht, Motiv-Auswahl und technische Fragen. Für die AG wiederum ist die Abstimmung mit den Gemeinden vorrangig und vor allem die „Stadtbild-Verträglichkeit“. Grundsätzlich sind Vorgaben gemäß Baugesetzbuch oder den jeweiligen Landesbauordnungen einzuhalten. So gilt in Bayern im Stadtdenkmal die Erlaubnispflicht nach Artikel 6 des Bayerischen Denkmalschutzgesetzes (BayDSchG) – und damit auch für MFG ein Abstimmungsbedarf. Technische Verteilerkästen werden ausschließlich zur Bereitstellung von Infrastruktur genehmigt, nicht als Werbestandort im öffentlichen Straßenraum. Aus Sicht der AG-Mitglieder ist eine kreative Gestaltung der MFG zwar denkbar, nicht jedoch in historisch sensiblen Bereichen. Hier stellt eine bunte Farbfassung oder die Werbebeschriftung eine störende Konkurrenz zum Umfeld dar. Demzufolge auch die Forderung der Städte nach – möglichen – technischen Alternativen, der Integration in vorhandene Infrastruktur bis hin zum Verzicht im öffentlichen Raum. Es war ein erstes persönliches Zusammenkommen und diente der Sensibilisierung. Die Telekom hat mehr Transparenz und Rückkopplung mit den Kommunen zugesagt. Sowohl intern wie mit den Telekommunikationsanbieter selbst sollen weitere Gespräche auf der Suche nach verträglichen Lösungen folgen.