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11.08.2010

Viel Geduld und Ausdauer

Viel Geduld und Ausdauer brauchen Denkmaleigentümer und Fachbehörden bisweilen, um ein wertvolles Einzelbaudenkmal im UNESCO-Welterbe über viele Jahre hinweg fachgerecht zu sanieren.

Größter (!) vorhandener Nachbarabstand

Eine vorbildliche Maßnahme im Sanierungsgebiet „Bamberg-Mitte“ stellen am 11. August die Eheleute Barbara und Reiner Bauernschmitt, Frau Dr. Annette Faber vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, Herr Thomas Beese von der Stadtsanierung sowie weitere Expertinnen und Experten vor:

Den so genannten Himmelfahrt-Pavillon der ehemaligen Mangschen Wachsbleiche.

Mitte des 18. Jahrhunderts errichtete Johann Josef Mang (andere sagen Anton Mang) nördlich der Oberen Königstraße eine Manufaktur zur Produktion von gebleichtem Bienenwachs, für die er einen Idealplan anfertigen ließ. Offenbar infolge des frühen Todes Mangs kam dieser Plan jedoch nur in Teilen zur Verwirklichung.

Ausschnitt aus dem Fresko

Nach der raschen Aufgabe der Wachsbleichennutzung wurde das Gelände zu Gärtnerareal und baulich stark überformt. Die vorhandenen barocken Gebäude wurden umgebaut, überbaut oder weitgehend abgerissen. So ist es letztlich erstaunlich, dass in Gestalt des Himmelfahrtspavillons zumindest ein hochwertiges Gebäude unsere Zeit erreicht hat, wenngleich auch dies nicht ohne erhebliche Schäden.

Das Überleben verdankt der Pavillon möglicherweise auch dem Umstand, dass der Pavillon tatsächlich von vier Seiten umbaut wurde. Im Norden und Westen wurden Wohnhäuser unmittelbar angebaut, im Osten eine Scheune, im Süden – mit minimalem Abstand – ein weiteres scheunenartiges Gebäude.

Diese Situation fanden die Eheleute Barbara und Reiner Bauernschmitt vor, als sie das Anwesen Letzengasse 5 1993 erwarben. In den Folgejahren sanierten die Eigentümer mit hohem Aufwand und enger denkmalfachlicher Begleitung das Gärtnerhaus, welches aus dem Nordostpavillon entstanden ist. Der Himmelfahrtpavillon wurde in seinem Dach gesichert, das Johann Anwander zugeschrieben Fresko 2003 im Rahmen einer Diplomarbeit untersucht und seitdem von Frau Elke Umminger fachlich betreut.

Vollkommen verbaute Ausgangslage

Städtisch durchgeführter Abbruch auf südlichem Nachbargrundstücke

An eine weitergehende Sanierung war nicht zu denken, denn wer benötigt schon einen mit hochwertigen Fresken ausgestatteten Pavillon, der nur durch eine Scheune zugänglich ist, keinen praktischen Nutzen bietet, dessen Sanierung aber viel Geld verschlingt?

Erforderlich war also zunächst eine Aufwertung und Neuordnung des städtebaulichen Umfeldes, um dem Pavillon langfristig wieder Belichtung, Belüftung und Geltung zu verschaffen. Der Bamberger Stadtrat hat daher als Sanierungsziel für das Sanierungsgebiet „Bamberg-Mitte“ 1998 unter anderem beschlossen, die scheunenartige Überdachung vor der Südseite des Pavillons ersatzlos abzubrechen.

Dieses Ziel wurde im Bebauungsplan 223 D 1 nochmals bekräftigt. Die Erreichung dieses Zieles allerdings sollte sich über viele Jahre lang hinziehen, denn die Grundstücke rund um den Himmelfahrt-Pavillon gehören vier verschiedenen Eigentümern.

Freie Südfassade nach den Abbrüchen 2008

Rückbau der Scheune ostseitig 2010


Erst 2008 konnte die Stadtsanierung nach langwierigen Verhandlungen mit einer vielköpfigen Erbengemeinschaft den Weg frei machen, um die vertragliche Erlaubnis zu erlangen, die städtebaulichen Missstände zu beseitigen. Im Rahmen der Buns-Länder-Städtebauförderung hat dann das Amt für Gebäudewirtschaft der Stadt Bamberg im Auftrag des Stadtplanungsamtes den Abbruch durchgeführt. Die städtebaulichen Voraussetzungen für die Sanierung des Pavillons waren damit geschaffen.

Die nächste Hürde waren die Finanzen. Im Laufe des Jahres 2009 gelang schließlich auch hier der Durchbruch: Eine Gemeinschaftsfinanzierung aus Bayerischer Landesstiftung, Oberfrankenstiftung, Bayerischem Landesamt für Denkmalpflege, Städtebauförderung und Eigenmitteln der Eigentümer konnte aus die Beine gestellt werden.

Damit war der Weg frei, um im Frühjahr 2010 schließlich tatsächlich mit der eigentlichen Baumaßnahme zu beginnen. Diese wiederum bestand zunächst im Rückbau der östlich angrenzenden Scheune und der anschließenden Herstellung eines östlichen Traufs des Pavillons. Glücklicherweise konnten diese Arbeiten in der großen Trockenphase dieses Frühjahrs durchgeführt werden.

Südfassade vor Sanierung 2010

Südfassade während Sanierung 2010

Danach schloss sich die Wiederfreilegung der Fensteröffnungen nach Süden an, die Putz- und Malerarbeiten sowie das Anbringen von Klappläden. Überaus intensiv wurden diese Arbeiten von Archäologen, Bauforschern, Restauratoren, Bauphysikern und dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege begleitet. Frau Dr. Faber wird die hohen denkmalpflegerischen Anforderungen und die gewonnene wissenschaftlichen Erkenntnisse vor Ort darstellen.

Von den ausführenden Firmen wurde größte Vorsicht verlangt, denn nach wie vor befinden sich an der Decke des Pavillons umfassende Fragmente des Himmelfahrtsfreskos, das fachgerecht saniert werden soll.

Die beteiligten Planer, Fachleute, Behörden, Finanziers und die Eigentümer sind wechselseitig voll des Lobes über die gemeinsame Zusammenarbeit, die ein hochwertiges Baudenkmal nach fünfzehnjährigen Bemühungen nunmehr im Bestand gesichert sieht. Zukünftig soll der Pavillon fachlich interessierten Gruppen nach Voranmeldung zugänglich gemacht werden. Damit kann ein weiterer verborgener Schatz des kulturellen Erbes in Bamberg rechtzeitig zur Landesgartenschau präsentiert werden.

 

Sanierungsgebiet Bamberg-Mitte