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23.06.2021

Beste Trinkwasserqualität dank komplexem Zusammenspiel

Radtour mit Bürgermeister Jonas Glüsenkamp durch das Wasserschutzgebiet

Komplex trifft es: Vieles muss ineinandergreifen im Wasserschutzgebiet, damit verlässlich und in hoher Qualität Wasser aus den Hähnen in allen Bamberger Haushalten sprudelt. Einen Einblick in die Sachverhalte gewährte die Radtour, zu der Bürgermeister Jonas Glüsenkamp zusammen mit den Stadtwerken am Samstag, 19. Juni, eingeladen hatte. 20 Bürger:innen radelten mit.

Die Radtour soll nach den Worten des Bürgermeisters dazu beitragen, „für den Umgang mit dem Wasser zu sensibilisieren und eine Ahnung davon zu bekommen, welche Anstrengungen unternommen werden, um die für die Wassergewinnung benötigte Infrastruktur in Schuss zu halten.“ Für das Thema Wasser zu sensibilisieren ist wichtiger denn je: Denn auch wenn das Wasser immer wie selbstverständlich aus der Leitung kommt, ist das edle Nass auch in unseren Breitengraden ein knappes Gut. Das liegt nicht zuletzt an den Auswirkungen des Klimawandels mit extremen Wetterlagen. Lange Hitzeperioden führen ebenso wie Starkregenereignisse dazu, dass die Pegelstände an den Bamberger Trinkwasserbrunnen kontinuierlich sinken. „Wir müssen immer höheren Aufwand betreiben, um das Bamberger Wasser zu gewinnen“, berichtete Michael Fiedeldey, Geschäftsführer der Stadtwerke, die den größten Teil des Bamberger Wasserverbrauchs in den eigenen Schutzgebieten fördern. Auch, um bei der wichtigen Trinkwasserversorgung nicht in Abhängigkeit von anderen Konzernen zu geraten. Deshalb ist es unverzichtbar, den Trinkwasserschutz in Bamberg weiter auszubauen und jeden Brunnen zu schützen.

Die Nachfrage nach der Radtour war riesig: Viel mehr Bamberger haben sich für die Tour interessiert, als unter Corona-Regeln möglich war. Wassermeister Georg Spörlein versprach, dass die Stadtwerke künftig weitere derartige Touren anbieten werden. Sie sollen auch den Besuch des Bamberger Wasserwerks Am Tännig 15 beinhalten, das die Stadtwerke 2014 in Betrieb genommen haben. Ingesamt investieren die Stadtwerke einen zweistelligen Millionenbetrag in die Sicherung der Bamberger Trinkwasserversorgung für die kommenden Generationen.

Im Folgenden ein Überblick über die Punkte, auf die im Rahmen der Radtour eingegangen wurde:

Bau neuer Horizontalfilterbrunnen am Sendelbach und im Luisenhain

Horizontalfilterbrunnen ersetzen die üblichen Flachbrunnen. Sie sind die Antwort auf den Klimawandel, der unter anderem mit starken Niederschlägen, die zumeist oberflächig abgleiten, einhergeht. Die Filterrohre liegen tiefer als bei den vertikalen Brunnen und sind somit immer mit Grundwasser überdeckt. Der neue Brunnen im Luisenhain, der durch eine voluminöse Verkleidung auffällt, fördert 40 Liter Wasser in der Sekunde.

Ein Herz für Wildbienen

Für Wildbienen ist am Sendelbach der Tisch reich gedeckt. Nach den Erläuterungen von Christine Scheurer, Vorsitzende des Imkervereins Bamberg und Umgebung, bekommen sie ihren Nektar nicht nur durch vielfältig blühende Wiesen. Nektar liefert auch die Silphie, eine Alternative zum Mais, die die Artenvielfalt fördert.

Sandmagerrasen und Wasserschutzweizen

Besonderer Boden – besondere Pflanzenvielfalt: Diese Merkmale treffen auf den Sandmagerrasen zu, wie er zum Beispiel am Wasserwerk Buger Wiesen anzutreffen ist. Ein Vertreter der eher seltenen Pflanzen, die hier aber üppig gedeihen, ist die Sandgrasnelke. Laut Erich Spranger vom Bund Naturschutz sind Sandböden in der Regel sauer, was sich durch die Vegetation ablesen lasse. Bedingt durch Kalkablagerungen aus dem Jura treffe dies auf die Sandböden nahe der Regnitz nicht zu.
Das Wasserschutzgebiet wird bewirtschaftet, wie die Weizenfelder zeigen. Mit dem Unterschied, dass die Landwirte auf die Düngung der Felder verzichten. Dafür erhalten sie Ausgleichszahlungen von den Stadtwerken. Aus dem Weizen im Wasserschutzgebiet entsteht unter anderem das Wasserschutzbrot, dem laut Georg Spörlein hervorragende Gäreigenschaften attestiert werden.

Umbau des Stadtwalds

Der Stadtwald befindet sich nach den Worten von Dieter Bierlein von der städtischen Forstverwaltung in der Phase des Umbaus. Aus dem reinen Kieferbestand entsteht ein Mischwald mit einem hohen Anteil an Laubbäumen. Der Umbau macht sich im Boden bemerkbar. Der nitrathaltige Rohhumus, der Risiken fürs Trinkwasser berge, weiche einer verträglicheren Humusmischung. Auf den Bestand wirkt sich der Bahnausbau aus. Bierlein schätzt, dass zwölf Hektar Wald weichen müssen.