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29.04.2013

Ost-Umfahrung: »Prinzipiell machbar!«

Neun Ausbau- und Trassenvarianten stehen zur Auswahl – so die Vereinbarung zwischen der Welterbestadt und der Deutschen Bahn AG, festgelegt im „Koordinierungskreis Bahnausbau Bamberg“. In der 3. Arbeitssitzung am 19.04.2013 wurde die Machbarkeitsstudie zur Variante 3 „Ost-Umfahrung“ dem Gremium aus Politik, Bundes- und Landesbehörden und Bamberger Interessenvertretungen durch die Bahn vorgestellt. Klaus-Dieter Josel, DB-Konzernbevollmächtigter für Bayern, zum Ergebnis: „Die autobahnparallele Trassenführung ist prinzipiell machbar, davon ausgehende Belastungen sind handhabbar und Beeinträchtigungen kompensierbar“.

Schallschutzmaßnahmen und dabei insbesondere die Höhe der Lärmschutzwände könnten zur Gefahr für den Welterbestatus werden. Eine weiträumige Umfahrung im Bamberger Osten würde derartige Sorgen gar nicht erst aufkommen lassen. Ein Grund für die Bahn diese Variante näher untersuchen zu lassen. Oberbürgermeister Andreas Starke wertete die Vorlage im Koordinierungskreis auch als „positiven Zwischenschritt und geeignete Maßnahme, um dem Misstrauen in Teilen der Bevölkerung zu begegnen“. Gleichzeitig begrüßte der Rathaus-Chef die Bahnaussage, am Stunden-Takt für den ICE-Verkehr auch in Zukunft festhalten zu wollen. „Die Ost-Umfahrung ist kein Anlass am System-Halt für Bamberg zu zweifeln“, so Starke. Die durch eine Machbarkeitsstudie bzw. „Raumwiderstandsanalyse“ vom Büro Emch+Berger untersuchte Trasse führt zweigleisig von Strullendorf kommend entlang der A73 quer durch den Hauptsmoorwald bis zum Autobahnkreuz „Bamberg“ und weiter Richtung Breitengüßbach, um südlich der Gemeinde in die Bestandsstrecke einzufädeln. Sie weist eine Streckenlänge von 13,2 Kilometer auf und hat einen Mindestabstand zur Autobahn von 26 Meter. Mehr als die Hälfte der Strecke im Osten der Stadt verläuft im Hauptsmoorwald. Besondere Anforderungen entstehen aus der Tangierung des Flugplatzgeländes und der Überführung des Autobahnkreuzes A70/A73 auf Höhe der westlichen Auf- und Abfahrtsrampen.

Umweltbelange auf dem Prüfstand

Entsprechend der Vorgaben nach dem Umweltverträglichkeits-prüfungsgesetz wurden durch die Planer die verschiedenen „Schutzgüter“ – Mensch, Tiere und Pflanzen, Boden, Wasser, Klima/Luft, Landschaft inkl. Erholungsnutzung sowie Kultur- und Sachgüter – analysiert und die spezifischen Empfindlichkeiten in vier Stufen, von „sehr hoch“ bis „gering“, bewertet. Im Ergebnis wurden auf diesem Weg so genannte „Konfliktschwerpunkte“ wie die Beeinträchtigung von Hauptsmoorwald und Wasserschutzgebiet oder die Lärmsituation angrenzender Wohngebiete festgestellt. Zusammenfassend kommt die Studie zum Ergebnis, dass die Belastungen für den Naturraum als auch für die in Trassennähe lebenden Menschen zu vertreten seien. Abhilfe könne durch Kompensationsmaßnahmen für bau- und anlagenbedingte Flächenverluste sowie aktiven (Wände) und passiven Lärmschutz (Fenster) erfolgen. Dabei wurde die Lärmsituation durch eine „Schalltechnische Untersuchungen“ des Büros Möhler & Partner gesondert betrachtet, einschließlich der vorhandenen Vorbelastung aufgrund der Autobahn. Im Ergebnis ergibt sich für die Gesamtlärmsituation – Schienen- und Straßenverkehr – eine Erhöhung von bis zu drei Dezibel im Bereich von Bamberg-Ost, Kramersfeld, Lichteneiche und Gundelsheim. Nach den Berechnungen der Lärm-Experten werden dabei die „grundrechtlichen Zumutbarkeitsschwellen“ von tags 70 und nachts 60 dB(A) eingehalten.

Fortsetzung der Gespräche Ende Juni

Im zweiten Teil der 3. Koordinierungssitzung ging es um die exakte Beschreibung der einzelnen Varianten. Erklärtes Ziel – so die beiden Moderatoren Josel und Starke – sei es, klare Begrifflichkeiten und Inhalte mit den verschiedenen Überschriften wie Tieflage um drei bzw. sieben Meter, partielle Tieferlegung, Tunnel oder Geschwindigkeitsreduzierung zu verknüpfen. „Wir wollen für den weiteren Diskussionsverlauf sicherstellen, dass jeder von den gleichen Randbedingungen einer Variante ausgeht.“ Die Auswahl und Bewertung geeigneter Prüfkriterien steht für die nächste Arbeitssitzung am 28. Juni an. Dabei soll erörtert werden, welche Varianten sinnvoll und machbar sind, ohne die Kostenfrage als „Totschlagargument“ zu sehen. Vielmehr soll aufgrund der gesamtgesellschaftlichen Verantwortung versucht werden, Dritte wie Bund und Land zur Co-Finanzierung für eine, den Welterbestatus entsprechende Lösung zu gewinnen.

Bis Jahresende soll der Findungsprozess abgeschlossen sein – so die Hoffnung von DB-Konzernbevollmächtigten. Ergänzt durch den Hinweis, dass dies letztlich aber abhängig vom erforderlichen Zeitaufwand und Beratungsbedarf im Koordinierungskreis ist. Generelles Ziel ist „die Teilhabe und Mitgestaltung der Bürger und aller Interessensgruppen am Planungs- und Entscheidungsprozess“. Erwartet werden Empfehlungen zusätzlich zur formellen Bürgerbeteiligung im Verwaltungsverfahren zur Erlangung des Baurechtes. Die Hoffnung aller Beteiligten: Was bereits im Vorfeld geklärt ist, muss dann nicht mehr aufwändig verhandelt werden.

Weitere Informationen unter www.vde8.de