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03.05.2019

Wie schnell sind 30 Kilometer pro Stunde?

„Auf die Bremse, fertig, los!“ heißt ein Projekt zur Verkehrserziehung. Schulkinder lernen dabei, Geschwindigkeiten und Bremswege besser einzuschätzen.

Diesen Vormittag werden Autofahrer in der Holzgartenstraße wohl nicht so schnell vergessen: Wer mit seinem Fahrzeug schneller als mit 30 Kilometern pro Stunde an der Wunderburgschule vorbeifuhr, bekam dies von johlenden Drittklässlern und mit einem Daumen-nach-unten-Schild quittiert. Wer dagegen angemessen langsam unterwegs war, durfte sich über einen Daumen nach oben freuen. Es ist die Mischung aus Spaß und Ernst, die die Kinder erleben: Das Konzept der „gemeinnützigen Gesellschaft für Kriminalprävention und Verkehrssicherheit mbHg“ (gGKVS) sieht vor, Kindern den Zusammenhang von Geschwindigkeit und Bremsweg zu vermitteln. Gleichzeitig sollen motorisierte Verkehrsteilnehmer sensibilisiert werden, sich an die vorgeschriebenen Geschwindigkeiten zu halten. Vom 2. bis zum 5. Mai 2019 finden deshalb an fünf Bamberger Grundschulen Verkehrserziehungsprojekttage statt. Es nehmen die Wunderburgschule, Martinschule, Rupprechtschule, Kunigundenschule und Domschule teil. Das Projekt ist gleichzeitig der zweite Teil der diesjährigen Serie zum Thema Schulwegsicherheit.

Heute fiel der Startschuss an der Wunderburgschule: Zunächst ging es los mit Übungen in der Turnhalle. Mit Hilfe von Pylonen, Slalomstangen, Medizinbällen und Rollbrettern haben die Kinder gelernt einzuschätzen, wie Bewegung und Geschwindigkeit zusammenhängen. „Wenn man schnell auf dem Rollbrett fährt, tut man sich schwerer mit dem Bremsen, als wenn man langsamer ist“, berichtet etwa Schülerin Anna. Die Kinder haben ihre Erfahrungen dann auf Fragebögen notiert und gemeinsam ausgewertet.

Im zweiten Modul wurde es ernst: Es ging hinaus auf die Straße. Ein reales Messfahrzeug zeichnete die Geschwindigkeiten der vorbeifahrenden Autos auf und die Drittklässler bewerteten, sicher vom Gehsteig aus, mit ihren Karten die Vorbeifahrenden. Die Botschaft für die Erwachsenen war eindeutig: Verkehrsschilder sind nicht nur ein höflicher Hinweis. „Ein Verkehrsschild vor einer Schule ist wie ein Schutzschild – dahinter steckt das Leben von Kindern“, sagt Ursula Auer, Leiterin des Projektes „Auf die Bremse, fertig, los!“ Sie ruft allen Autofahrern noch einmal in Erinnerung: „Je langsamer man mit dem Fahrzeug unterwegs ist, desto besser kann man anhalten.“ Sollte ein Zusammenstoß unausweichlich sein, sind zumindest die Verletzungsfolgen bei Tempo 30 weniger schlimm als bei schnelleren Geschwindigkeiten.

Dass die Drittklässler der Wunderburgschule aufmerksam in Sachen Straßenverkehr sind, haben sie auch mit einer spontanen Aktion bewiesen: Wenn Fahrradfahrer ohne Helm an der Schule vorbei radelten, bekamen diese ebenfalls ein Daumen-nach-unten-Schild gezeigt, flankiert von lauten Rufen „ohne Helm“.