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Datum: 17.11.2025

Gemeinsam und inklusiv Lernen in der Grundschule

Erfolgsmodell Partnerklassen soll weitergehen: Lebenshilfe Bamberg sucht neue Gastschule

Seit vielen Jahren findet das Lernen an der Gaustadter Grund- und Mittelschule gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern der Bertold-Scharfenberg-Schule der Lebenshilfe statt: Im Modell der flexiblen Grundschule und in jahrgangskombinierten Klassen werden aktuell 308 Kinder in 13 Grundschulklassen und zusätzlich 18 Kinder in 2 Partnerklassen gemeinsam unterrichtet. Das inklusive Modell hat Vorbildcharakter und ist eine Bereicherung für die Schulfamilie. Zum Schuljahr 2026/27 soll es einen Wechsel beim Standort geben.

Die Zahl der Kinder im Sprengel der Gaustadter Grundschule ist in den letzten Jahren enorm gewachsen: Der Stadtteil ist jünger geworden, Baugebiete mit vielen jungen Familien wie Erba und Megalith sind neu entstanden. „In Gaustadt wurden in diesem Schuljahr erstmalig 83 Erstklässlerinnen und Erstklässler eingeschult. So viele waren es noch in keinem Jahr davor,“ berichtet Schulreferentin Gabriele Kepic. Zudem benötigen immer mehr Kinder einen Betreuungsplatz in der Offenen Ganztagsschule. Für viele Familien ist die Betreuung nach Unterrichtsende bis in den Nachmittag hinein ein unverzichtbarer Baustein im täglichen Balance-Akt der Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Zusätzliche Räume im Schulhaus benötigt

Die steigenden Zahlen sind grundsätzlich erfreulich, stellen aber die Schule vor große Herausforderungen: Es wird zunehmend eng in der Gaustadter Schule. Fachräume, die die Kinder dringend für Fächer wie Musik oder Werken benötigen, mussten bereits übergangsweise aufgelöst werden, um Platz für zusätzliche Klassenzimmer zu schaffen. Für die Nachmittagsbetreuung konnte im Schuljahr 2025/26 nach intensiver Suche der nahe gelegene Pfarrsaal der Gemeinde St. Josef für zwei Jahre angemietet werden. Sowohl Lehrkräfte als auch Betreuungspersonal entwickeln immer wieder kreative Lösungen mit der Schulleitung, um den schulischen Alltag zu bewältigen. Um den vorhandenen Raum zu erweitern und die Nutzung zu optimieren, baut die Stadt Bamberg unter anderem Räume im Dachboden und die ehemalige Hausmeisterwohnung der Grundschule um: Jeder vorhandene Quadratmeter auf dem Schulgelände wird bestmöglich genutzt.

Kommunale Schulentwicklung unterstützt die Raumplanung

Um einen klaren Plan für die kommenden Schuljahre zu entwickeln und sicherzustellen, dass alle Grundschulkinder einen Platz an der eigenen Schule finden und am Nachmittag betreut werden können, hat sich die Schule gemeinsam mit dem Staatlichen Schulamt und dem städtischen Schulreferat auf den Weg der räumlichen und organisatorischen Schulentwicklung gemacht. Im Zuge der hiermit verbundenen Untersuchungen musste in den vergangenen Monaten festgestellt werden: Auch mit dem umgebauten Dachboden und den weiteren Räumen bleibt ein beträchtlicher räumlicher Fehlbedarf in Gaustadt. Die Grund- und Mittelschule muss zwingend weitere Wege finden, um verantwortlich mit dem begrenzten Platzangebot vor Ort umzugehen.

Schweren Herzens hat die Schule daher die schwierige Entscheidung getroffen, ab dem Schuljahr 2026/27 die Kooperation mit der Lebenshilfe an eine andere Schule abzugeben. „Wir bedauern sehr, die tolle Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe aufgeben zu müssen. Die Partnerklassen sind in den letzten Jahren zu einem Teil unserer Schule geworden“, bekennt Schulleiterin Susanne Dörfler sichtlich bewegt. „Das inklusive Konzept bereichert unser Schulleben enorm, und ich wünschte, wir hätten die räumlichen Kapazitäten, um die Zusammenarbeit fortzusetzen.“ Bei dem Wechsel der Partnerklassen an eine andere Schule in Stadt oder Landkreis Bamberg steht die Schulleitung mit ihrem Erfahrungsschatz beratend zur Seite.

Neue Gastschule für gemeinsames Lernen gesucht

„Wir suchen für die beiden Partnerklassen der Grundschule ab dem Schuljahr 2026/27 und perspektivisch auch für die Partnerklasse der Mittelschule eine neue Gastschule,“ erklärt Tobias Fürst, Schulleiter der Bertold-Scharfenberg-Schule der Lebenshilfe Bamberg. Gemeinsam mit dem Staatlichen Schulamt ist die Lebenshilfe nun auf dem Weg, für die Schülerinnen und Schüler der Partnerklassen schnellstmöglich einen neuen, passenden Standort zu finden. Fest steht: In Frage kommen Schulen im Umkreis von max. 20 Minuten Fahrzeit ab dem Sitz der Lebenshilfe in der Moosstraße Bamberg. Derzeit werden Gespräche mit potentiell passenden Schulen in Stadt und Landkreis Bamberg aufgenommen und die Möglichkeiten der Zusammenarbeit geklärt. Etwa 60 Prozent der Kinder, die eine Partnerklasse besuchen, wohnen im Landkreis.

„Das Konzept der Partnerklassen und das gemeinsame Lernen ist eine Bereicherung für alle Beteiligten, das wir fortführen wollen“, unterstreicht die Bildungsreferentin Gabriele Kepic. „Der bisherigen Gastschule Gaustadt, den Kolleginnen und Kollegen im Staatlichen Schulamt und uns in der Stadtverwaltung ist es enorm wichtig, eine gute Weitergabe der Kooperation zu ermöglichen“.

Steigende Schülerzahlen an vielen Grundschulen

Bamberg verzeichnet seit Jahren ein kontinuierliches Wachstum bei den Einwohnerzahlen – eigentlich eine gute Nachricht: Die Stadt ist ein attraktiver Wohn- und Arbeitsort für Familien. Auch im Sprengel der Grundschule Gaustadt ist in den letzten Jahren viel Wohnraum entstanden. Ein Plus an Bürgerinnen und Bürgern verändert jedoch auch die Anforderungen an die bestehende Sozial- und Bildungsinfrastruktur. „Wir beobachten einen Anstieg der Schülerzahlen an 2/3 unserer Grundschulen im Stadtgebiet. An den anderen Schulen hält sich die Schülerzahl auf einem hohen Niveau“, erläutert Schulrätin Sandra Lichtenstein vom Staatlichen Schulamt. Die Kinder und Familien merken dies u.a. an größeren Klassen in den Grundschulen.

Erfolgsmodell Partnerklassen

Partnerklassen sind Außenklassen von Förderschulen an Grund- oder Mittelschulen, die eng mit Klassen der anderen Schulart kooperieren und gemeinsames Lernen von Kindern mit und ohne Beeinträchtigung fördern. Die Grund- und Mittelschule Gaustadt mit dem Schulprofil Inklusion lebt dieses Modell seit vielen Jahren und ist damit in der Region Bamberg Vorreiter.