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14.11.2019

Bamberg denkt mit Freude und Dankbarkeit an "30 Jahre Mauerfall"

Gedenkveranstaltung am 9. November war sehr gut besucht

„Der Fall der Mauer vor 30 Jahren war ein wunderbares Ereignis“, erklärte Oberbürgermeister Andreas Starke. Es gab regen Besuch bei der Gedenkveranstaltung am 9. November im Hegelsaal der Kongress- und Konzerthalle. Die Aussprachen und Ausstellung erinnerten daran, dass Bamberg nach dem Mauerfall regelrecht überrannt wurde von neugierigen DDR-Bürgerinnen und -Bürgern. Es wurde auch deutlich, dass die Besucher von den Bambergerinnen und Bambergern mit „offenen Armen empfangen wurden“, so Starke, der feststellte: „Es herrschte eine großartige Willkommenskultur.“

Oberbürgermeister Andreas Starke beschrieb, dass es durch Willy Brandts Ostpolitik gelang, erste Brücken zwischen den beiden deutschen Staaten zu bauen. Die neue Ostpolitik ermöglichte den kleinen Grenzverkehr, von dem Starke mit seiner Familie persönlich profitierte, weil seine Großeltern in Plauen/Vogtland lebten. Für Altoberbürgermeister Herbert Lauer, vor dreißig Jahren persönlicher Referent des damaligen Oberbürgermeisters Paul Röhner, war die Situation in Bamberg nach dem Mauerfall „ein einmaliges Erlebnis“. Mehrere tausend DDR-Bürgerinnen und -Bürger hätten sich zwischen Kettenbrücke und Rathaus am Maxplatz aufgehalten. Im Rathaus seien rasch 32 Stellen eingerichtet worden, um das Begrüßungsgeld in Höhe von 100 D-Mark auszuzahlen. Der damalige Stadtrat und spätere Bürgermeister Werner Hipelius bekannte, sich bis Januar 1990 gesorgt zu haben, dass aus der labilen Situation ein Krieg entstehen könnte. Rudolf Grafberger, damaliger Zweiter Bürgermeister und Kulturreferent, erinnerte an den erfolglosen Versuch, noch zu DDR-Zeiten eine Städtepartnerschaft aufzubauen. Eine Option wäre Bautzen gewesen, die sich aber nicht verwirklichen ließ. Erst nach 1989 entstand aber ein neues Modell der kommunalen Zusammenarbeit: die Arbeitsgemeinschaft Historische Städte, der neben Bamberg Regensburg, Lübeck, Stralsund, Meißen und Görlitz angehören. Hier gehe es, so Oberbürgermeister Andreas Starke, auch nach 30 Jahren immer noch darum, sich über den Erhalt der jeweiligen historisch gewachsenen Stadtstrukturen auszutauschen. Max Reichelt, damals Vorsitzender der SPD-Stadtratsfraktion und später Dritter Bürgermeister, berichtete von großer Hilfsbereitschaft, Großzügigkeit und vielen Emotionen. Oft seien auch Tränen geflossen. Reichelt erinnerte auch daran, dass noch zu DDR-Zeiten der Sport eine hervorragende Rolle als Kontakt- und Brückenbauer einnahm. Aus seinen Besuchen mit einer Fußballmannschaft in Bad Elster in der ehemaligen DDR seien dann später sehr lange Freundschaften entstanden. Die Veranstaltung endete mit einer gelungenen Vorstellung des Improvisationstheaters, das sich aus Schauspielern aus Bamberg, Prag und Chemnitz zusammensetzt. Olga Seehafer und Jakob Fischer führten einen Ausschnitt aus dem Stück „Fall Mauer Fall“ auf. Zum Schluss eröffnete der OB offiziell die Ausstellung „Von der friedlichen Revolution zur deutschen Einheit – Bamberger Impressionen 1989“ des Stadtarchivs.

Ausstellung und Theaterstück

Die Ausstellung „Von der friedlichen Revolution zur deutschen Einheit – Bamberger Impressionen 1989“ des Stadtarchivs ist noch bis einschließlich 22. November im Erdgeschoss des Rathauses am Maxplatz zu sehen. Das Improvisationstheater spielt das Stück „Fall Mauer Fall“ in voller Länge am 17. und 18. Dezember, jeweils um 20 Uhr, in den Haas-Sälen.