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16.07.2021

Semesterabschluss-Experiment der VHS geglückt

Hochkarätiger Diskurs über 3000 Kilometer hinweg und Musik begeistern

Die Stille und Spannung waren förmlich zu greifen im Großen Saal des Alten E-Werks. Dem Philosophen und Theologen Harald Seubert am Rednerpult gelang es, die Teilnehmenden vor Ort und im Livestream mit seinen engagierten Impulsen zu fesseln. Er lieferte punktgenaue Vorgaben, damit die jüdische Religionsphilosophin und Direktorin der Hermann Cohen-Akademie Eveline Goodman-Thau in Jerusalem den Spielball der Debatte geschickt aufnehmen konnte. Ihr Zwiegespräch zur Bedeutung von 1700 Jahren jüdischen Denkens für Geschichte, Gegenwart und Zukunft Europas wurde so zu einer beeindruckenden Analyse mit klarem Handlungs-Aufforderung an die heutige Gesellschaft.

Ulrike Siebenhaar, Referentin für Kultur und Welterbe, hatte das „Gespräch zweier hochkarätiger Diskutanten über gut 3000 Kilometer entfernt voneinander“ als hybrides Experiment in ihrem Grußwort gewürdigt. Die VHS zeige einmal mehr ihre Fähigkeit, immer wieder neu zu denken, Gewohntes umzuplanen und Herausforderungen im Bildungsbereich mutig anzugehen. Sie dankte Leiterin Dr. Anna Scherbaum und dem gesamten Team ausdrücklich für ihr herausragendes und flexibles Agieren seit drei Semestern unter Corona-Bedingungen. „Dies hat zur Folge, dass die VHS Bamberg Stadt trotz schwieriger Rahmenbedingungen hervorragend dasteht.“ In ihren Dank schloss Sie auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein, die der Volkshochschule die Treue halten und bereit sind, sich immer wieder auf Neues einzulassen und weiterzubilden.

Die Semesterabschluss-Veranstaltung war ein weiterer prominenter Teil des bundesweiten Rahmenprogramms zum Jubiläum „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“. Die VHS Bamberg Stadt bot zudem Vorträge an zum jüdischen Bürgertum im 19. Jahrhundert und zu deren Küche, eine Lesung der jungen jüdischen Autorin Lena Gorelik sowie Führungen über das Judentum heute, die jüdische Kultur und Regionalgeschichte. „Wir zeigen damit unsere Verbundenheit mit den jüdischen Bürgerinnen und Bürgern heute und stellen uns der Verantwortung für unsere gemeinsame Geschichte“, wie Leiterin Dr. Anna Scherbaum in ihrem Schlusswort betonte.

Den würdigen musikalischen Rahmen bildete eine Zusammenstellung von Goldschmidt-Liedern, die Danielle Cîmpean mit ihrem lupenreinen Sopran und der Komponist Jochen Neurath gewohnt souverän am Klavier unter viel Applaus zu Gehör brachten. Der heute weitgehend unbekannte Adalbert von Goldschmidt (1848 – 1906) war einst eine Säule des Wiener Musiklebens im ausgehenden 19. Jahrhundert und geriet – wie Hanns Eisler und Kurt Weill – nach dem Verbot der Nationalsozialisten ins Vergessen