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Inhalt
ALLRIS - Vorlage

Berichtsvorlage - VO/2022/5718-R4

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Beratungsfolge

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I.  

 

  1. Ziele des Gesamtprojektes

 

Ziele der Gesamtmaßnahme sind die denkmalgerechte Sanierung des Gebäudes, die Verbesserung und Erweiterung der Nutzungsmöglichkeiten mit weitgehender Barrierefreiheit, die Neugestaltung der Ausstellungsbereiche sowie die Schaffung einer zukunftsfähigen Betriebsstruktur.

 

Das E.T.A.-Hoffmann-Haus, seit 2020 in der Trägerschaft der Stadt Bamberg, ab 2023 in der Verantwortung der Museen der Stadt Bamberg, wird künftig schwerpunktmäßig als Literaturmuseum konzipiert. Es ist bisher das einzige Museum für E.T.A. Hoffmann in Deutschland. Ziel der Neuentwicklung ist es, ein professionell geführtes, erlebnisorientiertes Museum für ein breites Publikum zu gestalten. Es soll durch attraktive Vermittlungs- und Bildungsangebote ganzjährig Menschen aus dem In- und Ausland sowie regionale Gäste anziehen.

 

Im Rahmen der Sanierung wird auch eine Neustrukturierung und Erweiterung der Service-Bereiche vorgenommen. Nach derzeitiger Planung kann die Barrierefreiheit durch den Einbau eines Aufzuges geschaffen werden. Kernbausteine des Museums werden die neue Dauerausstellung, ergänzt durch kleine Sonderausstellungsflächen sowie ein kombinierter Bildungs- und Veranstaltungsbereich sein.

 

Besonderer Wert wird auf die Bildungsarbeit als Erschließung für unterschiedlichste Zielgruppen gelegt. Eine ganzjährige Öffnung und die Kuratierung des Museums durch qualifiziertes Fachpersonal ist dafür erforderlich. Zudem soll das Hoffmann-Haus in Zusammenarbeit mit der Staatsbibliothek Bamberg und der E.T.A. Hoffmann-Gesellschaft zu einer Anlaufstelle für Fachpublikum im Sinne eines Kompetenzzentrums entwickelt werden.


  1. Projektbeteiligte

 

Eigentümerin und Bauherrin: Stiftung Weltkulturerbe Bamberg

Baumaßnahme: Stadtbau GmbH

Neugestaltung des Museums: Museen der Stadt Bamberg

Museumsbetrieb: Kulturamt bis Ende 2022, ab 2023 Museen der Stadt Bamberg

Vorstudie Rahmenkonzeption: Frankonzept

Architekturbüro: Jürgen Rebhan

Ausstellungsgestalter: N. N.

 

  1.  Vorgeschichte

 

Das heutige E.T.A.-Hoffmann-Haus begann mit einem Poetenstübchen 1924 am authentischen Ort und wurde 1930 zu einem Museum erweitert. Seit 1984 wurde das gesamte Vorderhaus bespielbar und 2007 kam schließlich das gesamte Hinterhaus hinzu. Das Museum wurde bis 2019 von der E.T.A. Hoffmann-Gesellschaft betrieben.

Durch einen Sammlungsaufruf des Verkehrs- und Verschönerungsvereins 1925 und die fortgesetzte Sammlungstätigkeit der 1938 gegründeten E.T.A. Hoffmann-Gesellschaft wurde eine Sammlung von Autographen, Musikalien, Porträts, Literarischen Schriften, Zeichnungen und Briefen zusammengetragen, die 1958 an die Staatsbibliothek Bamberg überging. Seit 1972 sammelte die E.T.A. Hoffmann-Gesellschaft Objekte zur Ausstattung des Poetenstübchens. Ab 1984 wurde ein neuer Sammlungsschwerpunkt mit dem „E.T.A. Hoffmann im Blick moderner Künstler" gesetzt. Die Sammlung umfasst keine authentisch überlieferten Ausstattungsstücke des Hauses.

Seit 2020 befindet sich das Museum in der Trägerschaft der Stadt Bamberg, das Gebäude ist seit 2016 Eigentum der Stiftung Weltkulturerbe Bamberg. Es präsentiert sich heute in einem stark sanierungsbedürftigen Zustand.

 

  1. Räumliche Voraussetzungen

 

Das Vorderhaus ist im Wesentlichen im Bestand der Zeit, in der E.T.A. Hoffmann von 1809 bis 1813 wohnte, erhalten und bildet daher eine sehr gute Grundlage, um den Genius loci auch räumlich erlebbar zu machen. Das Hintergebäude wurde im späteren 19. Jahrhundert um- und angebaut und schafft die Möglichkeit, in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege zeitgemäße Servicefunktionen und einen Aufzug in das Gebäude einzubringen (Nutz- und Nebenflächenflächen insgesamt: rd. 280 qm Ausstellungsflächen: rd. 160 qm).

 

  1. Prämissen der Neugestaltung

 

Im Rahmen der Grundlagenermittlung für die Baumaßnahme wurden für die Nutzung der Ausstellungsflächen einige Grundannahmen getroffen.

 

Inklusion: Um eine inklusionsorientierte Lebenswelt zu gestalten, die zu mehr gesellschaftlicher Teilhabe und gesellschaftlicher Selbstbestimmung führt, kann das Museum als Institution Bedingungen schaffen, die eine volle Erreichbarkeit, Zugänglichkeit und Nutzbarkeit des Museums gewährleisten (Leitfaden Deutscher Museumsbund "Das inklusive Museum"). Dabei geht es nicht nur um Menschen mit Behinderung. Die Aufbereitung der Inhalte wird für eine breite Zielgruppe angelegt. Sie soll sowohl Erwachsene als auch Kinder und Schüler ohne Vorwissen ansprechen und zugleich für besonders interessierte Besucherinnen und Besucher Anknüpfungspunkte bieten. Dazu sollen die Mehrsprachigkeit sowie verschiedene Sprachenebenen in Deutsch und z. B. auch das Mehrsinneprinzip beitragen. Für die Ausstellungsgestaltung wird das Prinzip „Design für alle" angestrebt.

Die Ausstellungs- und Veranstaltungsbereiche im E.T.A. Hoffmann-Haus werden, sofern mit dem Denkmal vereinbar, barrierefrei erschlossen. Geplant ist ein Aufzug über alle Etagen, der im Bereich des jüngeren Hinterhauses eingebracht wird. Der Zugang zum Haus wird über eine Hebeanlage unter Pflaster vor der historischen Eingangstür realisiert.

 

Bestände: Die E.T.A. Hoffmann-Gesellschaft verfügt über einen Inventarbestand, der hauptsächlich auf zwei Sammlungsaufrufe 1925 und 1972 und deren Nachwirkungen zurückgeht.

Ein Teil der Sammlung, vor allem Autographe, Briefe, Zeichnungen und andere Exponate aus Papier wurden 1958 der Staatsbibliothek Bamberg geschenkt und dort bisher verwahrt sowie erweitert. Weitere Bestände wurden zur Einrichtung des Hauses erworben, darunter Rekonstruktionen von Möbeln, Analogiestücke, Büsten und zeitgenössische Kunstwerke zur Rezeption. Die Ausstellungskonzeption soll eine enge Verschränkung zwischen medialen und interaktiven Vermittlungsangeboten und ausgewählten Original-Exponaten bieten. Dabei wird sie sich nicht auf den Bestand der Hoffmann-Gesellschaft bzw. der Museen und der Staatsbibliothek Bamberg beschränken, sondern das gesamte Material zu E.T.A. Hoffmann in die Überlegungen einbeziehen. Im Original können im Haus empfindliche Exponate auf den klimatisierten Bereich beschränkt gezeigt werden. Hier ist an einen regelmäßigen Wechsel von thematischen Präsentationen (mit Leihgaben) gedacht. Im nicht klimatisierten Bereich können ausgewählte Bestände wie Gemälde, Büsten oder beispielsweise der originale „Apfelweibla"-Türknauf aus dem Bestand der Museen in die Konzeption einbezogen werden.

 

Interieur: Die von E.T.A. Hoffmann bewohnten Räume in den oberen beiden Geschossen des Vorderhauses sind als Raumhülle weitgehend original erhalten. Ausstattung ist nicht mehr vorhanden. Die Raumfassungen sind aufgrund der späteren langjährigen Wohnnutzung der Räume nicht in situ erhalten und vermutlich auch nicht zu rekonstruieren. Das Konzept hierzu wird vom Architekten betreut, infrage kommen eventuell einzelne Befundfenster mit entsprechenden Erläuterungen, die in die Konzeption einbezogen werden können. Eine Rekonstruktion der Wohnatmosphäre durch Analogiestücke wird nicht angestrebt. Vielmehr kann mit medialen Mitteln der „Genius loci" vermittelt werden, so z. B. im oberen Stübchen Hoffmanns, wo der „Geist" des Künstlers im mehrfachen Sinne (virtuell) zugegen sein soll.

 

Museumsklima: Es ist keine Vollklimatisierung in der Dauerausstellung vorgesehen, da die Kleinheit des Hauses und die denkmalgeschützte Substanz dies, besonders im Kernbereich des Vorderhauses, kaum zulässt. Vielmehr soll ein klimatisierter Bereich im Hinterhaus geschaffen werden, der zur Präsentation von empfindlichen Originalen (z. B. Handschriften und Zeichnungen) und insbesondere für kleine Sonderausstellungen mit Leihgaben geeignet ist. Diese Planung kommt der Nachhaltigkeit zugute, da nur ein sehr begrenzter abgeschlossener Raum klimatisiert wird. Das Haus wird ganzjährig für die Besucherinnen und Besucher zugänglich gemacht. Das Beheizungssystem soll nachhaltig und energieeffizient entwickelt werden.

 

Konzept: Die Dauerausstellung wird das gesamte Wirken E.T.A. Hoffmanns als multitalentierter Künstler in den Blick nehmen. Sie soll sich nicht ausschließlich auf die Bamberger Zeit beschränken. Dazu sollen Leitthemen aus seinem Werk entwickelt werden, die sich um die neue Wahrnehmung der äußeren und inneren Welt des Menschen an der Schwelle zur Moderne drehen. Damit wird die Anschlussfähigkeit von Hoffmanns Arbeiten an die Lebenswelt der Besucherinnen und Besucher aufgezeigt. Als einer der wenigen deutschen Schriftsteller der Romantik wurde Hoffmann auch international, z. B. in Frankreich und Russland oder den USA stark rezipiert. Daraus ergeben sich vielfältige Anknüpfungspunkte für ein breites, auch internationales Publikum. In E.T.A. Hoffmanns Werk spiegeln sich die Umbrüche der frühen Moderne besonders wider, ihre Schrecken und ihre Verheißungen. Die Themen werden in der Ausstellung durch innovative Medien und Präsentationsformen erlebbar gemacht.

 

  1. Arbeitsstand und nächste Schritte

 

Für die Planung der Baumaßnahme wurde durch Stadtbau GmbH das Architekturbüro Jürgen Rebhan beauftragt (zunächst bis LPH 5). Derzeit sind bauordnungsrechtliche Fragen zu den Erweiterungsmöglichkeiten zu klären, damit die Vorplanung abgeschlossen werden kann.

 

2021 wurde das Kulturbüro Frankonzept durch das Kulturamt mit einer Studie zu einer Rahmenkonzeption beauftragt. Die Studie befindet sich kurz vor dem Abschluss. Abgeschlossen sind die Analyse mit der Museumsentwicklung sowie das Raumfunktionskonzept, das gemeinsam mit den Museen der Stadt Bamberg, dem Kulturamt und dem Architekten erarbeitet wurde. Die Weiterschreibung und Anpassung des Raumkonzepts übernehmen die Museen in Zusammenarbeit mit dem Architekten.

 

Mit Dienstbeginn von Dr. Kristin Knebel als neue Museumsdirektorin ging die Arbeit an der musealen Konzeption an die Museen der Stadt Bamberg über (in der Anfangsphase unterstützt durch das Kulturamt). Die Betreuung des Hoffmann-Hauses wird ab 2023 von den Museen übernommen.

 

Um die Arbeit des Architekturbüros vorantreiben zu können, ist die Beauftragung eines Büros für Ausstellungsgestaltung als nächster Schritt dringend erforderlich. Für die Ausstellungsgestaltung soll ein renommiertes Gestaltungsbüro gewonnen werden, das insbesondere Erfahrungen und Referenzen in der Literaturvermittlung mitbringt. Das Büro wird in einer beschränkten Ausschreibung mit vorgeschaltetem Teilnahmewettbewerb ermittelt. Aus dem Teilnahmewettbewerb werden fünf Büros ausgewählt, die erste Ideen für ausgewählte Bereiche präsentieren sollen. Die Erkenntnisse des Ausstellungsvorentwurfs fließen in die Ausführungsplanung der Architekten ein. Konzeptentwicklung und Ausstellungsgestaltung werden parallel stattfinden, da insbesondere für Medienanwendungen Gestalter und Kuratoren eng zusammenwirken müssen. Die Vergabe des Gestaltungsauftrags erfolgt zunächst bis zur Freigabe des Entwurfs (HOAS Phase 3). Die Durchführung des Wettbewerbs im Vorfeld wird finanziert durch die Landesstelle für nichtstaatliche Museen (7.000 Euro bewilligt) sowie die Stiftung Weltkulturerbe Bamberg (3.000 Euro beantragt).

 

Die Konzeption für die Ausstellungsbereiche wird durch die Museen, mithilfe der beantragten Kuratorenstelle, in enger Zusammenarbeit mit der Direktorin und den Ausstellungsgestaltern erarbeitet. Das Bildungs- und Vermittlungskonzept und seine Umsetzung bildet neben der Ausstellung das Rückgrat des Museums. Ohne ein Konzept für die Vermittlungsangebote kann das Haus nicht erfolgreich geführt werden und seinen Bildungsauftrag nicht erfüllen. Zum Bildungskonzept gehören neben Programmen für Kinder und Jugendliche auch touristische Angebote wie Führungen sowie Spezialveranstaltungen für ein besonderes interessiertes bzw. explizites Fachpublikum. Die Angebote werden wo möglich in Kooperationen mit anderen Partnern wie dem ETA Hoffmann Theater, der Staatsbibliothek, dem Kulturamt und anderen entwickelt. Sie können sich auch auf den Stadtraum beziehen. Teil des Vermittlungskonzeptes sind auch die Begleitpublikationen wie z. B. die Webseite, Printprodukte, Guides usw.

 

Um einen erfolgreichen Betrieb zu ermöglichen, ist zudem ein Marketingkonzept erforderlich.

 

Das Museum muss in Zukunft professionell mit entsprechenden Personalkapazitäten geführt werden. Dazu wird ebenfalls die beantragte Kuratorenstelle benötigt, die nach Fertigstellung der Dauerausstellung einen starken Schwerpunkt in der Vermittlungsarbeit (Konzeption und Durchführung und Programmen) sowie der Vernetzung- und Öffentlichkeitsarbeit haben wird. Durch die Einbindung in die Organisationsstruktur der Museen der Stadt Bamberg ergeben sich entsprechende Synergieeffekte, v.a. in den Arbeitsbereichen Verwaltung, Museumstechnik, Restaurierung usw., vor allem aber durch die Einbindung in das kuratorische Kreativteam der Museen.

 

  1. Zeitplanung

 

Das Haus wird ab November 2022 geschlossen. Die Wiedereröffnung ist für 2025 avisiert in Abhängigkeit von Fördermitteln und Entwicklung des Bauprozesses. Derzeit finden Grundlagenermittlung, Vorplanung und die Einwerbung von Fördermitteln statt.

 

  1. Finanzen

 

Aufgrund des Arbeitsstands der Projekte liegen derzeit noch keine validen Kostenberechnungen vor. Die Baumaßnahme wird über die Stiftung Weltkulturerbe voraussichtlich mit Fördermitteln finanziert. Es sind bereits erste Förderanfragen getätigt worden und Anträge befinden sich in Vorbereitung. Für die Ausstellungen können ebenfalls Förderanträge gestellt werden. Hier sind durch die Museumsdirektorin bereits mit dem Referat K 21 Literatur und Deutsche Sprache bei BKM (Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien) sowie mit der Landesstelle für nichtstaatliche Museen in Bayern Gespräche geführt worden. Die Kuratorenstelle wurde bereits über das Referat 4 beantragt. Nach der Wiedereröffnung sind Personalkosten und Betriebskosten wie Miete an die Stiftung Weltkulturerbe Bamberg, Aufsichtspersonal (Museums Service GmbH), Energiekosten etc. ins Budget der Museen einzustellen. Eine realistische Kostenermittlung zu den jährlichen Kosten für den Betrieb wird aufgrund der aktuellen Dynamiken voraussichtlich frühestens 2024 möglich sein.

Über die Entwicklung der Kosten werden die Museen informieren und die Anträge für die entsprechenden Gremien zum gegebenen Zeitpunkt stellen.

 

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II. Beschlussvorschlag


II. Beschlussvorschlag:

 

  1. Der Sitzungsvortrag hat zur Kenntnis gedient.

 

  1. Die Museen der Stadt Bamberg werden regelmäßig über den Fortgang der Sanierung und der musealen Neukonzeption berichten.

 

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III. Finanzielle Auswirkungen:

 

Der unter II. empfohlene Beschlussantrag verursacht

 

X

1.

keine Kosten

 

2.

Kosten in Höhe von  für die Deckung im laufenden Haushaltsjahr bzw. im geltenden Finanzplan  gegeben ist

 

3.

Kosten in Höhe von  für die keine Deckung im Haushalt gegeben ist. Im Rahmen der vom Antrag stellenden Amt/Referat zu bewirtschaftenden Mittel wird folgender Deckungsvorschlag gemacht:

 

4.

Kosten in künftigen Haushaltsjahren:  Personalkosten:  Sachkosten:

 

Falls Alternative 3. und/oder 4. vorliegt:

 

In das Finanzreferat zur Stellungnahme.

 

Stellungnahme des Finanzreferates:

 

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