Kulturentwicklungsplanung
Die Kulturlandschaft heute? Die Kulturlandschaft Bamberg 2030 und darüber hinaus?
Bamberg heute!? – Welterbestadt mit kultureller Vielfalt. Orchester, Theater und Künstlerhaus, lebendige freie Szene und hochgelobte Alltagskultur. So weit, so gut.
Doch was steckt konkret dahinter, wer sind die wirklichen „Global Player“ der Bamberger Kultur, wer und was macht die hiesige Kulturlandschaft außerdem aus, welche Institutionen gibt es und warum, welche Kultur wird gefördert, welche nicht und warum? Könnte etwas sinnvollerweise ganz anders sein? Wie geht es den Kulturakteur:innen aktuell? Gibt es Lücken oder ungenutztes Potenzial? Vor welchen Herausforderungen steht der Erhalt der Vielfalt? Was sind die Defizite und wo finden sich Entwicklungsmöglichkeiten?
Wie steht es um den finanziellen Zwang zum Sparen? Ist der finanzielle Einsatz verhandelbar? Welche demographischen und gesellschaftlichen Veränderungen sind zu erwarten und müssen bedacht werden? Was will Kulturpolitik und seit wann? Wie haben sich bestimmte spezifische Ziele und Ideen, die einst verfolgt wurden, im Laufe der Zeit entwickelt? Haben sie sich als dauerhaft erwiesen, benötigen sie Anpassungen, oder sind neue Ansätze erforderlich, um die kulturellen Ambitionen weiterhin zu erfüllen? Wie überlegt und zukunftsfähig sind bestehende Strukturen und Vorhaben? Wie zufällig und realistisch deren Gelingen? Gibt es überhaupt Zielsetzungen? Wo liegt die Balance zwischen Bestandserhalt und Kulturentwicklung? Diese und andere Fragen bedürfen der Klärung, um die Bamberger Kulturpolitik strategisch aufzustellen.
Ein Kulturkonzept für Bamberg?
In Bamberg wird viel von und gerne über Kultur gesprochen. Das beginnt bei Tradition und Alltagskultur und reicht über das bedeutende historische und kulturelle Erbe der Stadt hinaus, bis zu ihren Exzellenzen kultureller Aktivposten musealer, bildnerischer, darstellender, literarischer und musikalischer Art. Am außergewöhnlichen Kultur(haupt)stadt-Rang der „Weltkulturerbe“-stadt gibt es keinen Zweifel!? Bambergs Kulturleben mit seiner ausgeprägten, vielfältigen und in einigen Bereichen erstklassigen Kunst- und Kulturlandschaft mit in Teilen nationaler und internationaler Strahlkraft und traditioneller, gefestigter Breitenkultur trägt zum spezifischen Profil von Stadt und Region maßgeblich bei. Hierbei liefert die traditionell gewachsene Struktur der Bamberger Kulturlandschaft bei näherem Hinsehen ein klares und ergiebiges Erklärungsmuster für die aktuelle Situation. Das Präsentieren Bambergs als Kulturstadt allerdings, bleibt bisher in der Regel auf schmale, unvollständige Formeln verkürzt und greift nicht in die Substanz der tatsächlichen Lage. Oftmals entsteht der Eindruck, dass ein tieferes Einlassen auf und Nachdenken über die kulturpolitische Gegenwart und Zukunft der Stadt aufgrund des Status als implizit hoch geschätzte Kulturstadt jeglicher Notwendigkeit entbehrt. Das Gegenteil ist der Fall. Zum einen steht die Kulturpolitik als Teil der Stadtpolitik vor enormen Herausforderungen, zum anderen müssen gewachsene Kulturlandschaften auch und gerade vor dem Hintergrund veränderter finanzieller Rahmenbedingungen auf den Prüfstand gestellt und neu beurteilt werden. Ihre Bedingungen und Möglichkeiten sind herauszuarbeiten und zukunftsrelevante Entwicklungsszenarien aufzuzeigen. Wo entsprechende Strukturen fehlen, müssen diese geschaffen werden. Die Handlungserfordernisse sind zu konkretisieren. Denn tatsächlich gab es einen lediglich schwach ausgeprägten kulturpolitischen Diskurs in Bamberg, nur wenig konkretes, abrufbares Wissen über den Status Quo der Bamberger Kulturlandschaft und noch weniger eine Vorstellung davon, auf welche Weise es gelingen kann, Bambergs Rolle im Reigen kulturtragender (Mittel-)städte für die Zukunft zu sichern - mit welchen Akteuren, Zielsetzungen und Schwerpunkten.
So gibt es zwar keinerlei ausgesprochenen Denkverbote, aber ebenso wenig Klarheit bei der Frage nach der Perspektive für die Bamberger Kultur. Es mangelt an einer sortierten Basis für solide Entwicklungsszenarien. Je konfuser Erwartungshaltungen, Ideen und Wunschszenarien zur Kulturentwicklung jedoch aufgestellt sind, desto höher ist das Potenzial für stark lähmende kulturpolitische Enttäuschungen auf allen Ebenen. Gerade diese jedoch begegnen dem stetig, der Interesse für die kulturpolitische Situation aufbringt. Und zwar völlig unnötig.
Daher war es an der Zeit, den Bestand zu sichten und die Strukturen, die Ressourcen, Zielsetzungen und Herausforderungen zu beleuchten. Damit die Möglichkeiten der kulturpolitischen Zukunftsgestaltung auf einem guten Fundament mit Politik und Stadtgesellschaft diskutiert und wirkungsvolle Strategien der Kulturentwicklung auf den Weg gebracht werden können.
Oliver Will
Kulturwissenschaftler