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Funde am Rathaus aus der Zeit von Alt-St. Martin

Einblicke dank Fernwärme-Verlegung am Maxplatz

Der Graben am Rathaus, ausgehoben für die Verlegung von Fernwärme durch die Stadtwerke Bamberg, brachte es an den Tag: mehrere Skelette und Reste der spätmittelalterlichen Bebauung, als das Rathaus Maxplatz noch nicht stand, dafür aber Alt-St. Martin den Platz beherrschte.  

Ähnlich wie vor Weihnachten 2024 auf dem Domberg, als im Umfeld der damaligen Burgkapelle gegraben wurde und etwa 1.000 Jahre alte Skelette aufgefunden wurden, hatte Stadtarchäologe Dr. Stefan Pfaffenberger ein wachsames Auge auf die Baustelle am Rathaus Maxplatz. „Es bestand der begründete Verdacht, dass im Umfeld von Alt-St. Martin, wo sich ein großer Friedhof befand, Entdeckenswertes ans Tageslicht kommt.“

Fünf bis zehn Skelette

So war es denn auch: Nach den ersten Grabungen in die Tiefe wurde das Baufeld den Archäologinnen und Archäologen überlassen. Eva Uihlein von der Archäologischen Dokumentation Scherbaum berichtete von fünf bis zehn Skeletten, die südlich des Rathaus-Haupteingangs aufgefunden wurden. „Die Skelette waren teils im geordneten Zustand in der Ost-West-Ausrichtung ausgelegt, teils lagen Skelettteile wild durcheinander, wie es für einen dicht belegten und über Jahrhunderte hinweg genutzten Friedhof typisch ist“, beschreibt Dr. Pfaffenberger den Fundort. Davon ist mittlerweile nichts mehr zu sehen. Die geborgenen Bestattungen werden zunächst beim Landesamt für Denkmalpflege eingelagert und schließlich zur weiteren wissenschaftlichen Bestimmung in die Staatssammlung für Anthropologie in München verbracht.

Das Alter der Skelette lässt sich bis dahin nur vage eingrenzen. „Die Pfarrei Alt-St. Martin und damit der Friedhof hatte vom 13. Jahrhundert an bis 1802 Bestand. Dann wurde die Kirche im Zuge der Säkularisation“, so Dr. Pfaffenberger, „abgerissen“. Es entstand mit dem Katharinenspital auf der einen und dem Priesterseminar mit dem Weihbischofshof als Vorläufer des Rathauses Maxplatz auf der anderen Seite die bestehende Randbebauung des Maximiliansplatzes. Dort schlummerten dank des Friedhofs viele menschliche Überreste. 

Keine wissenschaftliche Aufarbeitung beim Bau der Tiefgarage

Weitere Grabungen mitten auf dem Maxplatz, das ist jedoch eine Überlegung theoretischer Natur. Denn anstelle des Friedhofs erstreckt sich dort seit 1969 die Parkgarage in die Tiefe. Mit den sicher in Vielzahl vorhandenen menschlichen Überresten ist man beim Bau der Tiefgarage damals äußerst robust, um nicht zu sagen unsensibel umgegangen. „Es fanden keinerlei archäologischen Untersuchungen der Gräber statt und auch die freigelegten Fundamente der Martinskirche wurden nur rudimentär dokumentiert. Die Funde wurden nicht wissenschaftlich aufgearbeitet“, weiß Dr. Pfaffenberger. Umso wichtiger ist es ihm, zumindest mit der Grabung am Rathaus Maxplatz einen Eindruck davon zu bekommen, was hier am Rande des Platzes noch in der Tiefe schlummert.

Neben den menschlichen Überresten südlich des Rathaus-Eingangs stießen die Archäologen im entgegengesetzten Bereich auf Reste der mittelalterlichen Bebauung. „Bevor das Priesterseminar gebaut wurde, befanden sich am Rande des Friedhofs Bürgerhäuser, wie sie auch im Zweidler-Plan von 1602 dargestellt sind“, erklärt der Stadtarchäologe. Der Zweidler-Plan, benannt nach dem Kartographen Peter Zweidler, ist der erste Stadtplan von Bamberg, der neben Berg- und Gärtnerstadt auch die Inselstadt mit dem massiven Kirchenbau von Alt-St. Martin darstellt. Freigelegt haben die Archäologen Sandsteinmauern, darunter gut zu erkennen ein Keller mit Gewölbeansatz.

All die Erkenntnisse, die dank der Grabung gewonnen werden konnten, fließen in einen wissenschaftlichen Bericht ein. Eine Zusammenfassung davon wird es künftig unter anderem in den Berichten des Historischen Vereins zur Pflege der Geschichte des ehemaligen Fürstbistums Bamberg geben. Dann ist es wieder gelungen, ein weiteres Detail aus Bambergs reicher Geschichte zugänglich zu machen.   

23.03.2026