Seiteninhalt

Die Mischung macht's!

Bamberger Bürgerinnen und Bürger haben bei der ARENA 9 ihre Projekte für das ehemalige Kasernenareal vorgestellt

Eine „Allee der Artenvielfalt“ pflanzen, gemeinschaftlich, ressourcenschonend und sozial gemischt Wohnen, biologische Landwirtschaft betreiben, ein Café eröffnen oder mit Flüchtlingen zusammenleben und Räume für Kunst und Kultur schaffen: Das Ideenspektrum der Bambergerinnen und Bamberger für die Entwicklung des Konversionsgeländes ist groß. Bei der neunten Arena am vergangenen Donnerstag in der Aula der Graf-Stauffenberg-Schule wurden Projekte diskutiert, welche die Bürgerinnen und Bürger selbst in die Hand nehmen wollen. „Die Konversion kann nur gelingen, wenn sie zu einer Bürgerkonversion wird“, erklärte Dr. Christian Lange in seinen Begrüßungsworten.

Zu Beginn der Veranstaltung gab es, wie üblich, zunächst einen kurzen Bericht zum aktuellen Stand. Viele hat sich in den vergangenen Wochen rund um das Thema „Konversion“ getan: Während die Verhandlungen der Stadt mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) zum Ankauf des Gesamtgeländes zum 31.01.2016 auf Hochtouren laufen, haben bereits die Sanierungsarbeiten in der Pines Area begonnen. Mit der Aufnahme- und Rückführungseinrichtung II (ARE II) für Asylbewerber mit geringer Bleibewahrscheinlichkeit gibt es auf dem Konversionsgelände eine erste Nachnutzung. Wie diese Einrichtung funktioniert, erklärte Stefan Krug von der Regierung von Oberfranken. Ziel sei es, Asylbewerbende menschenwürdig unterzubringen und die Bearbeitung von Asylverfahren durch eine bessere Zusammenarbeit vieler verschiedener Behörden zu optimieren.

Im Fokus der Arena standen dann aber vor allem die sogenannten Selbst- und Mitmachprojekte, die rund 100 Bambergerinnen und Bamberger in die Graf-Stauffenberg-Schule gelockt hatten. Harald Lang, Leiter des Amtes für Strategische Steuerung und Konversionsmanagement, freute sich über die vielen neuen und jungen Gesichter im Publikum. Viele waren einem öffentlichen Projektaufruf der Stadt Bamberg gefolgt und hatten vorab ihre Projektideen eingereicht, von denen vier schlaglichtartig in der Arena präsentiert wurden: Die „Allee der Artenvielfalt“, die „Hofgemeinschaft für WERTvolles erLeben und GENUSSsicherung“, der „kosmos ost“ sowie das „Bürgerwohnprojekt auf dem Kasernengelände“.

Frauke Burgdorff, Vorständin der Montag Stiftung für Urbane Räume, ist Expertin für bürgerschaftliche Projekte in der Stadtentwicklung und zeigte sich beeindruckt vom Engagement in der Bamberger Bürgerschaft: „Sie haben offenbar alle Lust auf Verantwortung“. Im Gepäck hatte die Referentin einen bunten Strauß von Projekten, die den Bambergerinnen und Bambergern als Inspiration für eigene Projekte dienen sollten. Bürgerschaftlich getragene Projekte können ganz unterschiedliche Größen und Aufgaben haben – angefangen bei der Organisation von Festen, über das Einrichten und Betreiben von Infrastruktureinrichtungen bis hin zum gemeinsamen Investieren und Wohnen. Entsprechend vielfältig sind auch die möglichen Träger- und Rechtsformen.

Burgdorff erläuterte, dass die Projekte unabhängig von ihrer Größe fast immer verschiedene Lebenszyklen durchlaufen: Zunächst existiere eine Projektidee nur im Kopf. Wenn aus einer Idee dann ein Projekt geboren wird, stecke es zunächst noch in den Kinderschuhen: Es muss noch viel lernen – manchmal auch von anderen. In dieser Phase gehe es meist vor allem um das gegenseitige Kennenlernen und gemeinsame Feiern. Wenn dann die Pubertät folgt, zeigten sich häufig erste Konflikte: Projekte würden zu groß oder manche Initiatoren trennen sich wieder. Ist dieser Punkt uberstanden, folge die Phase des Erwachsenwerdens, das bedeutet: aus den Ideen wird Wirklichkeit. Bis dahin haben die Projektpiniere viel Zeit und Arbeit investiert, stehe das Projekt, dann folgten ein „Kater“ oder ein „Burn Out“. In der sich daran anschließenden Midlife-Crisis müsse sich ein Projekt dann häufig neu erfinden und beispielsweise einen Generationenwechseln eingeleitet werden.

Mit ihren Ausführungen ermutigte Burgdorff die Bamberger Projektpioniere dazu, sich einerseits viele andere Projekte anzuschauen, vor allem aber einfach selbst aktiv zu werden. „Nachbarschaften heißt auch Machbarschaften“, erklärte sie. Die Stadt könne dabei als Unterstützer fungieren.

Diese Unterstützung wolle die Stadt so gut wie möglich leisten, erklärte Harald Lang. Hierzu erhalten alle Projektinitiatoren, die sich bei der Stadt gemeldet haben und noch melden werden, zum Jahreswechsel eine kurze Checkliste, anhand derer die Projekteideen präzisiert werden können. Im Frühjahr 2016 sollen diese dann in einem Projektforum diskutiert werden.

Filmdokumentation

 

Kurzfassung: ARENA 9

Langfassung ARENA 9