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Straßenränder auf Terrassensand – Ökologisches Grünflächenmanagement Kartierungsergebnisse und aktueller Straßenrandbericht 2017

Straßenrand Berliner Ring mit Natternkopf 6-12

Das landschaftsprägende Element Bambergs sind die Regnitz und die einst vom Fluss aufgeschütteten Sandterrassen und Dünen. Letztere sind in den vergangenen Jahrhunderten immer stärker zurückgedrängt, versiegelt oder umgewandelt worden. Dabei zählen gerade Magerrasen auf Sand zu den artenreichsten Lebensräumen in Mitteleuropa. Für den Erhalt dieser wertvollen Biotope setzt sich das Umweltamt der Stadt Bamberg seit Jahren engagiert ein. Die Entwicklung von Straßenrändern zu artenreichen Sand-Lebensräumen leistet einen unabdingbaren Beitrag bei der Vernetzung isolierter Lieferbiotope im Regnitztal. Sie fügt sich als innerstädtischer Lückenschluss in das überregionale BayernNetzNatur-Projekt „SandAchse Franken“ ein, das sich von Bamberg bis Weißenburg über 150 km entlang der Regnitz und ihren Zuflüssen erstreckt.

Mit dem ökologischen Grünflächenmanagement der Straßenränder auf Terrassensand begann das Umweltamt im Jahr 1999. Seitdem wird das Projekt konsequent und kontinuierlich fortgeführt. Alljährlich wird die Flora der Straßenränder erfasst und ein umfassender Ergebnisbericht mit Artenliste und Diskussion der Pflegemaßnahmen erstellt. Die Umstellung der Pflege von intensiv auf extensiv erfolgte zunächst entlang der Osttangente Bambergs auf 6 km Länge (Berliner Ring). Inzwischen sind auch fast alle zuführenden Straßen einbezogen, sodass die Gesamtfläche des Projektes nunmehr etwa 10 ha beträgt. Der Erfolg der Maßnahmen ist der guten Kooperation mit dem städtischen Gartenamt zu verdanken, das für die Pflege der Straßenränder zuständig sind, sowie der intensiven fachlichen Betreuung mit ständiger Erfolgskontrolle und regelmäßiger Öffentlichkeitsarbeit. Führungen am Straßenrand, Vorträge, Publikationen und Pressemitteilungen erläutern den Bürgern den Nutzen der naturnahen Grünflächenpflege. Dies ist auch nötig, denn für einige sind die wilden Blumen immer noch ein Zeichen von Vernachlässigung. Die überwiegende Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger schätzt den blütenreichen Flor jedoch, und so mancher nutzt die neue Möglichkeit, sich einen Blumenstrauß mitten in der Stadt zu pflücken.

An die Arbeitskolonnen vor Ort wurden witterungsbeständige Pläne ausgegeben, in denen Pflegeabschnitte und Pflegeregime einfach und übersichtlich dargestellt sind. Auf Düngung und Pestizideinsatz wird verzichtet, die Mahd beschränkt sich auf einmal bis zweimal pro Jahr - je nach Wüchsigkeit der Vegetation und etwaigen Sicherheitserfordernissen (z.B. an Kreuzungen). Auf die Entfernung des Mähgutes wird ganz besonders geachtet, um die Stickstoffarmut der Standorte aufrecht zu erhalten.

Seit 1999, dem Jahr der Umstellung der Pflege von Kurzschnittrasen und Rasenbanketten auf Magerwiesenstreifen und Sandmagerrasen, hat sich die Artenzahl an Farn- und Blütenpflanzen von 320 Arten auf 462 (2017) erhöht. Darunter befinden sich auch Seltenheiten wie das Alpen-Leinblatt (Thesium alpinum), die Violette Königskerze (Verbascum phoeniceum) und die Ranken-Platterbse (Lathyrus aphaca). Die typischen Arten magerer Standorte (Salbei, Wilde Möhre, Steinklee) breiten sich ebenso aus wie Sandspezialisten (Sandgrasnelke oder Bergsandglöckchen). In den vergangenen trockenen Frühjahren hat sich diese Steppenflora entlang der Straßenränder in prächtiger Blüte behauptet, während die sonstige Vegetation schon im April zu gilben begann. Eine etwaige Erwärmung des Klimas dürfte sie problemlos überstehen.

Nach und nach werden auch benachbarte Areale einbezogen. Das gute Vorbild macht Schule. So hat etwa die Telekom das an die Straßenränder angrenzende Freigelände ihres Strategischen Computerzentrums im Bamberger Süden ebenfalls extensiviert (Herbstmahd) und klärt die Belegschaft über Info-Tafeln zum Thema Sandmagerrasen auf. Die Firma Trench Germany, eine Siemenstochter, hat im Bereich der Straßenrandkorridore eine Düne aus anstehendem Terrassensand angelegt und mit autochthoner Heuansaat geimpft. Im Süden der Stadt setzen die Bayernwerke die SandAchse fort, indem sie seit einigen Jahren ihre 220KV-Leitungstrasse durch den Hauptsmoorwald mittels temporärer Ziegenbeweidung offenhalten und damit für eine Regeneration von Calluna-Heide sorgen. Dafür wurde ein auf 10 Jahre laufender Vertrag mit einem ansässigen Schäfer geschlossen. Auch auf dieser Trasse nimmt die Artenzahl zu, wie regelmäßige, von den Bayernwerken finanzierte Kartierungen belegen. Zuletzt hat sich 2008 das Wasserschiffahrtsamt der linearen Weiterführung von Sandbiotopen entlang des Regnitztales angeschlossen. Die neu abgedichteten Dämme des RMD-Kanals wurden als Magerwiese auf sandigem Substrat gestaltet. Das ökologische Grünflächenmanagement der Straßenränder hat sich so innerhalb weniger Jahre von den Straßenrändern in beträchtlichem Umfang auf angrenzende Flächen ausgedehnt.

Inzwischen hat das Projekt auch überregional Interesse gefunden. Delegationen aus Nürnberg und Darmstadt haben sich vor Ort informiert, verbindet das Projekt doch auf ideale Weise Ökonomie und Ökologie, Wirtschaftlichkeit und Artenschutz. Der Einsparung von Arbeits- und Energiekosten steht die Erhöhung der Biodiversität im sonst artenarmen, urban geprägten Raum gegenüber.


Straßenrandbericht 2017 [PDF: 142 KB]

Weitere Informationen:

 

Herr Dr. Jürgen Gerdes
Amt für Umwelt, Brand- und Katastrophenschutz
Sachgebiet Umwelttechnik
Natur- und Artenschutz
Michelsberg 10
96049 Bamberg

Telefon : 0951 87-1728
Fax : 0951 87-1955
Kontaktformular
Raum : 026

 

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