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Stadttechnologische Impulse: „Mobilität und Energie“ – „Das Energie-Quartier“

Bericht zum zweiten Themenabend im Rahmen der Werkstattwoche am Mittwoch, 10. September 2014, von 17.00 Uhr bis 20.00 Uhr im Musikzimmer der Graf-Stauffenberg-Schule (Blauen Schule) in Bamberg

Der zweite Themenabend im Rahmen der Werkstattwoche des Gutachterverfahrens „Perspektive Ost | Bamberger Konversionen“ rief das Thema Stadttechnologische Impulse: „Mobilität und Energie“ auf. In dieser Veranstaltung hatten sowohl die Bürgerinnen und Bürger Bambergs als auch die an dem Gutachterverfahren teilnehmenden Teams die Möglichkeit, die besonderen Facetten der Stadttechnologie kennenzulernen und sich dazu auszutauschen.

Welche Anforderungen aus den Bereichen der Stadttechnologie wird man künftig berücksichtigen müssen, welche Aspekte der Mobilität, der Energieeffizienz oder der Emissionsarmut sind zu bedenken und welche technologischen Qualitäten sind zu entwickeln, um das neue Stadtquartier im Bamberger Osten nachhaltig zu bauen – all diesen Fragen wurde in dem Themenabend nachgegangen.
Mit zwei Impulsvorträgen, die Projekte und Konzepte aus anderen Städten vorstellten, wurden die Zuhörer in die Thematik eingeführt.
Prof. Dr.-Ing. Hartmut H. Topp, Technische Universität Kaiserslautern, Institut Mobilität und Verkehr, erläuterte in seinem Impulsvortrag verschiedene Themenschwerpunkte, die bei einer städtebaulichen Entwicklung von Quartieren eine wichtige Rolle einnehmen.

In Zukunft wird es mehr denn je darauf ankommen, vielfältige Mobilitätsangebote in einem „Mobilitätsverbund“ anzubieten. Nur durch eine „multimodale Integration der Verkehrsträger“ – wie man diese Vielfalt nennt - kann eine Mobilitätsgarantie für alle sichergestellt werden. Dabei sollte es möglich sein, „stets das geeignete Verkehrsmittel – z.B. an „multimodalen mobil.punkten“ – wählen zu können, für das, was ich gerade vorhabe“. Eine gute Vernetzung des öffentlichen Personennahverkehrs ist nach wie vor auch künftig Rückgrat und Motor des Mobilitätsverbundes.
Radfahren ist nicht nur Lifestyle, sondern auch „ganz praktisch“, um in der Stadt von A nach B zu gelangen. Neben dem traditionellen Fahrrad werden E-Bikes und Pedelecs zu einer ernstzunehmenden Alternative zum Auto. Höhere Geschwindigkeiten, größere Reichweiten und das leichte Überwinden von Steigungen zählen zu deren Qualitäten, stellen aber auch neue Anforderungen an Sicherheit und Komfort im Straßenraum sowie an die Gestaltung des öffentlichen Raumes.

Prof. Topp maß in seinem Vortrag dem „Auto-freien“ Lebensstil große Bedeutung bei der Entwicklung von städtischen Quartieren bei. Es geht dabei beileibe nicht darum, die Anschaffung eines Autos zu verbieten, sondern vielmehr darum, möglichst wenige Autos im direkten Wohnumfeld im öffentlichen Raum zu „parken“. Quartiersgaragen, unter Umständen auch am Rande eines Wohnquartiers angeordnet, können dazu beitragen, das „Blech“ aus dem Straßenraum zu verdrängen. Die Anzahl an Elektro-Autos wird künftig steigen, daher ist auch die Entwicklung und Gestaltung von „Miet-Stellplätzen“ mit eigenem Stromanschluss von Bedeutung.

Viel leichter kann auf ein eigenes Auto verzichtet werden, wenn in den neuen Stadtquartieren attraktive ÖPNV- und Car-Sharing Angebote bestehen und gut erreichbar sind, öffentliche Stellplätze für E-Autos und E-Bikes attraktiv gestaltet sind, eine gute Infrastruktur aus Fuß- und Radwegen vorhanden ist, die Nahversorgung für den täglichen Bedarf sichergestellt wird und eine hohe Wohn- und Freiraumqualität besteht.

Prof. Manfred Hegger vom Lehrstuhl Entwerfen und Energieeffizientes Bauen der Technischen Universität Darmstadt erläutert in seinem Einführungsvortrag, dass die Frage der (Stadt)Energie nicht nur eine Frage der Technologie, sondern auch eine politische, gesellschaftliche, kulturelle und soziale Frage ist. Dies wird vor allem in dem gestiegenem Flächen- und Energiebedarf pro Person in den letzten Jahren deutlich. Daher wird die Herausforderung künftig auch darin liegen, herauszufinden, wieviel „Energie“ der Mensch überhaupt braucht.
Eine kompakte Bauform, eine angemessene Dämmung und eine natürliche Lüftung sind bei der Planung von Gebäuden maßgebend. Erst dann und auf die Planung abgestimmt, folgt sinnvollerweise der Einsatz von technischen Mitteln, wie Photovoltaik, Solaranlagen, Wärmepumpen, Bioenergie, thermische Schichtung oder mechanische Belüftungs- und Tageslichtsysteme.
„Energiequartiere“ können heute mehr Energie erzeugen, als sie eigentlich benötigen. Als gelungenes Beispiel wurde das „Kreativ.Quartier Lohberg“ in Dinslaken präsentiert. Energieoptimierte Wohn- und Gewerbecluster, bestehend aus Neu- und Bestandsbauten, erzeugen mehr als doppelt soviel Energie wie notwendig und versorgen zusätzlich auch eine benachbarte Gartenstadt mit Energie. Um in diesem Stadtquartier eine CO2 neutrale Energieversorgung zu erzielen, war es notwendig, von vornherein die städtebaulichen Belange mit den Aspekten der Energieversorgung in Einklang zu bringen.
Anhand des „Energieatlas – Zukunftskonzept Erneuerbares Wilhelmsburg“ im Rahmen der IBA Hamburg erläuterte Manfred Hegger die Aspekte der Energieeffizienz in der Stadtentwicklung, insbesondere der Stadtquartiersentwicklung. Zusammenfassend sind aus seiner Sicht neun „Leitplanken“ für die nachhaltige energetische Ausrichtung von Quartieren zu berücksichtigen. Dazu zählen: Identitätsstiftende Gebäude energetisch behutsam entwickeln, Alltagsarchitektur Qualität sichernd energetisch sanieren, Neubauten energie- und umweltbewusst einfügen, solare Ertragspotenziale optimieren, raumspezifische Energieentwicklungspläne anfertigen, Stadtoberflächen zur Verbesserung der Reflexion aufhellen, Leuchtturmprojekte entwickeln, Innovation und Kompetenz in Gewerbe und Handwerk fördern und Freiflächen erhalten, aufwerten und neue Landschaftsbilder schaffen.

Um auch im Bamberger Osten ein neues und vor allem (energetisch) nachhaltiges Stadtquartier zu entwickeln, dürfe und müsse hinsichtlich der Energieversorgung „neu gedacht“ werden. Für die am Gutachterverfahren teilnehmenden Teams gilt es daher, innovative und mutige Ideen zu entwickeln und damit zu experimentieren, um so auch in der Öffentlichkeit besondere Aufmerksamkeit für das Thema „Energie“ in der Stadtentwicklung zu erzielen.

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