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Ein kurzer Streifzug durch die Bamberger Garnisonsgeschichte

Bestand: Bamberg-Sammlung (Bild) Signatur: BS (B) + 267-3 - H010 B002 5. Infanterie Regiment; Reservistenbild. 1907 - 1909

Mit dem Abzug der Streitkräfte der US-Army geht ein Kapitel Bamberger Stadtgeschichte zu Ende, das in die Zeit des Hochstifts zurückreicht. Bamberg war nicht nur Haupt- und Residenzstadt eines geistlichen Fürstentums, sondern auch Standort fürstbischöflicher Infanterie- und Kavalleriekontingente. Nach der Auflösung des Hochstifts Bamberg wurde diese Funktion als Garnisonsstadt in bayerischer Zeit ausgebaut.

Im neuen, durch die territorialen Veränderungen als Folge der Napoleonischen Kriege entstandenen bayerischen Staat, wurden unter strukturpolitischen Aspekten Zeichen gesetzt. Für Bamberg und viele andere Städte bedeutete die Säkularisation von 1802/03 die Beseitigung der Funktion als Residenzstadt, für Bamberg zusätzlich als Hochschul- und zentraler Verwaltungsstandort sowie 1810 nach der Verlegung der Regierung für den Obermainkreis nach Bayreuth die endgültige Reduzierung auf den Rang einer Provinzstadt. Wirtschaftliche Motive und kommunales Selbstbewusstsein waren immer wieder Anlass zu Petitionen, in denen der Wunsch nach einer neuen Garnison oder nach der Beibehaltung der bestehenden bei tatsächlichen oder gerüchteweise bekannt gewordenen Aufhebungsplänen geäußert wurde.

 

Verlegung von Garnisonen als Augleich

 

Zumindest auf militärischem Sektor erfolgte mit der Verlegung von Garnisonen ein gewisser Ausgleich für die ihrer Zentralität beraubten früheren Residenzstädte im Königreich Bayern. Die wirtschaftlichen Folgen für die Versorgung eines Militärstandortes und die Kapitalkraft des Militärpersonals machten die Stationierung in den Kommunen so attraktiv.

Photo aus der Bamberg Sammlung des Stadtarchivs Bbg. BS_267-2_-_H011_B003

Umgekehrt wurde wirtschaftlicher Erfolg angeführt, wenn es darum ging, einen Standort als für den Ausbau einer bestehenden Garnison geeignet darzustellen. Der Hinweis auf die Ordnungs- und Schutzfunktion des Militärs gegen innere und äußere Bedrohung war ebenso ein Beweggrund, sich um militärische Präsenz zu bemühen, wie Bemühungen um das gesellschaftlich-kulturelle Niveau in einer Stadt durch Einbeziehung des Offizierskorps in die städtische Gesellschaft bis hin zur Militärmusik, die auf den Bierkellern ebenso eine Attraktion darstellte wie bei offiziellen repräsentativen Feierlichkeiten. Nicht selten war ein Konkurrenzdenken unter den Städten die Folge, so dass auch vor gegenseitigen Herabsetzungen etwa bezüglich der politischen Treue gegenüber dem Herrscherhaus oder der Unzuverlässigkeit im Zuge der Revolution von 1848 nicht zurückgeschreckt wurde.

 

Räumliche Voraussetzungen

 

D 2020 (Stadtarchiv Bamberg, )

Wichtigster Schritt für die Unterbringung von Truppen waren die räumlichen Voraussetzungen. Hier bot sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts vor allem die Vielzahl ehemals geistlichen Zwecken gewidmeter Gebäude an. Die Verwendung von Kirchen und Klöstern für weltlich-militärische Zwecke war keine neue Entwicklung. Sie setzte bereits in den protestantischen Gebieten Frankens in der Zeit der Reformation ein. Allerdings standen nun in Bamberg mit der Säkularisation des kirchlichen Besitzes viele Gebäude für die Verwendung als Unterkunft- bzw. Depotgebäude, als Exerzier- und Reithallen, als Schmiede- und Instandsetzungswerkstätten, Stallungen und Verwaltungsgebäude zur Verfügung.

Im Stadtbild gibt es zahlreiche Möglichkeiten, der militärischen Vergangenheit Bambergs auf die Spur zu kommen. Oft sind dies Orte, bei denen nichts mehr an die militärische Vergangenheit erinnert.

Am Standort des 1341 begründeten Clarissenklosters an der Nonnenbrücke/Richard-Wagner-Straße wurden die Gebäude vor allem durch das 5. kgl. bayer. Infanterieregiment genutzt. Mit dem Neubau der Infanteriekasernen an der Pödeldorfer Straße zu Beginn der 1890er Jahre wurde die militärische Nutzung dieses Areals aufgegeben. Nach einer Zwischennutzung durch die Stadt für das Theater und als Lagerplatz wurde die Fläche dort vor allem mit dem Bau des Flurbereinigungsamtes (heute: Amt für ländliche Entwicklung) überbaut.

Auf dem mittleren Kaulberg wurde nach der Auflösung des Zisterzienserinnenkloster (1554) das Benediktinerinnenkloster St. Theodor errichtet. Den Nutzungen als Lazarett, Heumagazin, Lager für den städtischen Brandschutz folgte die Einquartierung von Landwehreinheiten, seit 1855 auch des 5. kgl. bayer. Infanterieregiments. Nach dem Neubau der Kasernen in Bamberg-Ost wurde das Areal an die Karmeliten verkauft, die seit 1902 hier ihr Kloster führen.

Das in die Mitte des 14. Jahrhunderts datierende Kloster der Dominikaner in der Sandstraße wurde 1802/03 aufgelöst. Die Gebäude wurde seither vom Militär genutzt, zunächst als Lazarett, später als Depotgebäude und als Kaserne für ein Jägerbataillon, schließlich ebenfalls durch das 5. Infanterieregiment. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Kirche als Studienkirche, schließlich ab 1947 als Kulturraum und bis zur Fertigstellung der Konzerthalle als Konzertsaal der Bamberger Symphoniker genutzt.

Einer privaten Stiftung der Familie Münzmeister verdankte im 14. Jahrhundert das Dominikanerinnenkloster zum Heiligen Grab im Nordosten der Stadt seine Existenz. Auch hier wurden die Gebäude nach 1803 von der Militärverwaltung beschlagnahmt und zunächst als Hospital, dann aber bis 1874 als Kavalleriekaserne für das 1. kgl. bayer. Ulanenregiment genutzt. In diesem Jahr wurde nach dem Abriss des zentralen Gebäudes ein Lazarett für die Garnison errichtet. Das Gebäude diente im 20. Jahrhundert lange Zeit der Bamberger Stadtpolizei und findet heute als Landesjustizkasse Verwendung.

1654 wurden die Gebäude des Kapuzinerklosters geweiht. Nach der Säkularisation wurden die Franziskanerbrüder vom an der Schranne befindlichen Kloster nach der nur vorübergehenden Einquartierung eines französischen Lazaretts und Materiallagers zusammen mit den Kapuzinern dort untergebracht. Zumindest kurzzeitig (1848-1851) wurden die Gebäude für militärische Zwecke genutzt, ehe nach dem Brand von 1871 ein Realschulgebäude in der heutigen Kapuzinerstraße errichtet wurde.

Dem Benediktinerkloster auf dem Michelsberg blieb knapp 800 Jahre nach seiner Gründung zwar nicht die Auflösung, aber doch die Nutzung als Magazin- und Unterkunftsgebäude für ein Infanterieregiment erspart.

Schon seit 1700 stand im Bereich zwischen der heutigen Langen Straße und der Hainstraße die Langgasskaserne. Erbaut unter Fürstbischof Lothar Franz von Schönborn genügte dieser Bau 100 Jahre später den Anforderungen an eine Kaserne nicht mehr. Dennoch wurde sie bis 1885 sowohl von den Einheiten des Infanterie- wie auch des Ulanenregiments genutzt.

 

Kasernen-Neubauten

 

BS 267-4d - H013 B001 (Stadtarchiv Bamberg, )

Bis heute sichtbaren Ausdruck fand Bambergs Garnisonscharakter aber in stadtbildprägenden Kasernen-Neubauten. Dazu zählte zunächst die Koppenhofkaserne beim ehemaligen fürstbischöflichen Gestüt in der Wunderburg, begonnen 1823 und im heutigen Umfang 1863 fertig gestellt. Unmittelbar danach folgen entlang der Bahnlinie und der Nürnberger Straße die Kasernenkomplexe Holzhof I und Holzhof II (1883-1887). Dort befand sich der Standort des Ulanenregiments, in dem eine Vielzahl fränkischer Adeliger ihren Militärdienst ableisteten und im nachfolgenden Truppenteil, dem 17. Bayerischen Reiterregiment, auch Claus Graf Schenk von Stauffenberg einen Teil seiner Militärlaufbahn absolvierte.

Entlang der Pödeldorfer Straße wurde 1890 bis 1893 die Infanteriekaserne, die spätere in Anlehnung an den Ort des Ulanengefechts so benannte Lagarde-Kaserne, erbaut. In ihr waren nach 1918 ebenfalls Teile des Reiterregiments sowie der kasernierten bayerischen Landespolizei untergebracht. 1935 wurden an der äußeren Zollnerstraße die großen Anlagen der Panzerkaserne erbaut, in der die Einheiten des Panzerregiments 3 sowie eines Artillerieregiments 74 Unterkunft fanden. In diesen Kasernen erfolgte nach 1945 von der US-Army die Stationierung u.a. des Panzerregiments 35 (4. Panzerdivision) sowie des 26. Infanterieregiments, 1972 schließlich von Einheiten des 2. Kavallerieregiments.

Wer nach Spuren der Garnisonsgeschichte sucht, wird auf viele Zeugnisse stoßen, die an die militärische Vergangenheit der Stadt erinnern. Da sind die für den militärischen Übungsbetrieb wichtigen Flächen, die bisher nur eingeschränkt oder gar nicht zugänglich waren, wie der für das deutsch-amerikanische Freundschaftsschießen genutzte Schießplatz oder das Areal der 130 ha umfassenden Muna zu nennen. Hinzu kommt der Exerzierplatz entlang von Geisfelder und Strullendorfer Straße oder der auf den Stadtplänen mit seiner charakteristischen Rondellform auffällige Exerzierplatz im längst überbauten Gebiet von Wilhelmsplatz, Amalien-, Schützen- und Urbanstraße oder der Exerzierplatz an der Breitenau im Gebiet des heutigen Flugplatzes und der Lichteneiche. Namengebend für die Hauptwachstraße war das heute als Verwaltungs- und Geschäftshaus genutzte Gebäude der Hauptwache mit der täglich stattfindenden Zeremonie von Wachwechsel und Zapfenstreich Zu nennen ist das Jagd- und Hundshaus, heute eher als Siechenscheune bekannt, das als Reitschule und Depotgebäude diente. Weniger bekannt sind die Gebäude Zinkenwörth 22, im 19. Jahrhundert ein Lazarettgebäude, und das Stallgebäude (ehem. Brauerei „Zum Mondschein“) der Pferde des 6. Chevaulegers-Regiments (1830-1850).

Bei einem Spaziergang durch Bamberg aber lassen sich durchaus noch weitere Details der militärischen Vergangenheit entdecken. Dazu zählen auch Straßennamen, die der Entmilitarisierung nach 1945 trotzten, etwa die Weißenburg- oder Wörthstraße. Beide Orte erinnern an Schlachten im deutsch-französischen Krieg 1870/71. Hier sind auch etliche Gräber von Gefallenen oder ehedem in Bamberg aktiven Offizieren und Offiziersfamilien auf dem Bamberger Friedhof zu nennen. Die zahlreichen Kriegerdenkmäler, etwa das Ulanendenkmal in der Wunderburg, das ursprünglich in der Stadtmitte am Obstmarkt stand, und nicht zuletzt die Gedenktafeln an die Gefallenen der Weltkriege sind in den Ausdrucksformen ihrer jeweiligen Entstehungszeit wichtige Quellen für bis heute spezifische Formen der Erinnerung von der Kranzniederlegung bis hin zu Gedächtnisgottesdiensten an die Geschichte Bambergs als Garnisonsstadt.

 

Horst  Gehringer, Leiter des Stadtarchivs Bamberg

Herr Horst Gehringer
Stadtarchiv
Leiter
Untere Sandstraße 30 a
96049 Bamberg

Telefon: 0951 / 87-1370
Fax: 0951 / 87-1968

 

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