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UNESCO Welterbe

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Die UNESCO hat 1972 das "Übereinkommen zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt" (die Welterbekonvention) verabschiedet. Inzwischen haben 191 Staaten das Übereinkommen unterzeichnet. Es ist das international bedeutendste Instrument, das jemals von der Völkergemeinschaft zum Schutz ihres kulturellen und natürlichen Erbes beschlossen wurde. Die UNESCO-Liste des Welterbes verzeichnet über 1000 Natur- und Kulturstätten weltweit.

Deutschland ist mit 41 Welterbestätten auf der Liste vertreten. Eine davon ist die Altstadt von Bamberg.

 

UNESCO-Welterbe „Altstadt von Bamberg“


Die „Altstadt von Bamberg“ wurde 1993 in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen. Die hervorragend erhaltene Altstadt umfasst die drei historischen Stadtbezirke Berg-, Insel- und Gärtnerstadt. Alle drei gehören zum 142 Hektar großen UNESCO-Welterbe und repräsentieren in einzigartiger Weise die auf frühmittelalterlichen Grundstrukturen aufbauende mitteleuropäische Stadt. Die prächtige Ausstattung verdankt Bamberg seinem Gründer und Förderer Kaiser Heinrich II. (973-1024), der Bamberg zum Mittelpunkt seines Machtbereichs erhob. Als religiöses und politisches Zentrum des von ihm im Jahr 1007 gegründeten Bistums sollte Bamberg ein neues Rom werden. Durch die Errichtung der Stadt auf sieben Hügeln (wie das antike Rom) ist der Begriff „Fränkisches Rom“ für Bamberg noch heute geläufig. Eine zweite Blüte erlebte die Stadt an der Regnitz zur Barockzeit als Bamberger Fürstbischöfe einige der bekanntesten Vertreter des deutschen Barocks beauftragten, die Stadt dem Zeitgeist entsprechend umzugestalten.

 

Was gehört dazu...

 

 

39. Tagung des UNESCO-Welterbekomitees


 

Frau Alberth, das UNESCO-Welterbekomitee tagte vom 28. Juni bis 8. Juli 2015 zum 39. Mal. Warum stellte die diesjährige Versammlung ein ganz besonderes Ereignis für Deutschland dar?

Während der jährlichen Sitzung des Welterbekomitees treffen Delegierte aus über 160 Ländern richtungweisende Entscheidungen über den Schutz gefährdeter Welterbestätten und die Aufnahme neuer Stätten in die Welterbeliste. Die Sitzung ist ein zentrales Instrument für die Umsetzung der Welterbekonvention. Deutschland war diesjähriger Gastgeber der Komiteesitzung in Bonn; den Vorsitz übernahm Staatsministerin Prof. Dr. Maria Böhmer. Erst einmal, nämlich 1995, tagten die Delegierten bisher in Deutschland. Dementsprechend hoch war auch das öffentliche Interesse. Das World Conference Centre in Bonn zählte mehr als 2.200 Teilnehmer – eine bisher nicht dagewesene Zahl.

 

Was sind die wichtigsten Ergebnisse der diesjährigen Sitzung?

In seiner 39. Sitzung nahm das Welterbekomitee insgesamt 24 neue Stätten in die Liste des UNESCO-Welterbes auf, drei wurden erweitert. Zu den Neuaufnahmen zählen unter anderem die antike Stadt Ephesus, die historische Weinlandschaft der Champagne sowie die Forth Bridge in Schottland. Deutschland erhielt mit der Hamburger Speicherstadt und dem Kontorhausviertel mit Chilehaus seine vierzigste Welterbestätte. Damit stehen nun weltweit 1.031 Stätten in 163 Ländern auf der UNESCO-Welterbeliste. Mit der stetig zunehmenden Anzahl an Welterbestätten wächst natürlich auch der Anspruch an uns vor Ort, diese zu schützen und ihre Relevanz im 21. Jahrhundert zu vermitteln.


Deswegen beschäftigten sich die Delegierten neben den Neuernennungen auch mit dem Erhaltungszustand bereits eingeschriebener Welterbestätten. Dabei wurde der kritische Zustand des Great Barrier Reefs besonders stark diskutiert. Der Ausbau mehrerer Häfen, die Ausdehnung der Kohleförderung sowie ausschweifende Landwirtschaft zerstörten in den letzten dreißig Jahren mehr als die Hälfte der einzigartigen Korallen. Bamberg hingegen gilt seit Jahrzehnten als hervorragendes Beispiel fachgerechter Denkmalpflege. Sowohl das Bamberger Modell, über das die Stadt Hausbesitzer beim Erhalt ihrer denkmalgeschützten Objekte finanziell unterstützt, als auch das Projekt Urbaner Gartenbau, das die Erhaltung und Revitalisierung innerstädtischer Gartenflächen fördert, gelten als wegweisende Maßnahmen zur Bewahrung des Welterbes.


Immer häufiger werden Welterbestätten Ziele kriegerischer Auseinandersetzung, mutwilliger Zerstörung sowie Naturkatastrophen. Inwieweit bestimmte dieses Thema die Diskussionen des Komitees?

Die Welterbeliste bezieht sich auf Kultur- und Naturgüter von außergewöhnlichem universellem Wert. Welterbestätten sind also nicht nur von lokaler oder nationaler Bedeutung. Ihr Schutz und ihre Erhaltung erfolgt im Interesse der gesamten Menschheit. Um diese zentrale Idee der Welterbekonvention zu betonen, verabschiedete das Welterbekomitee dieses Jahr die Bonner Erklärung zum Welterbe. Die Erklärung verurteilt die Angriffe auf Palmyra in Syrien ebenso wie die Plünderungen Nimruds und Hatras aufs Schärfste und unterstreicht den gemeinsamen Willen und die Verantwortung, Welterbestätten gegen jede Bedrohung zu schützen.


Helfen soll auch die globale Koalition "Unite4Heritage“, die auf die internationale Zusammenarbeit zum Schutz des Welterbes abzielt. Hierbei kommen Expertennetzwerke zum Einsatz, um die entstandenen Schäden zu dokumentieren. Außerdem wurde unter dem Hashtag "Unite4Heritage“ eine Social Media Kampagne ins Leben gerufen, an der sich auch das Zentrum Welterbe Bamberg zusammen mit der DENK-MAL-Stiftung beteiligt hat.


Ein weiteres wirksames Instrument gegen die Zerstörung von außergewöhnlichem Kultur- und Naturerbe ist die sogenannte „Rote Liste“ des gefährdeten Welterbes. Ist eine Welterbestätte infolge von Krieg oder Naturkatastrophen ernsthaft bedroht, so kann sie in die Liste aufgenommen werden. Mit der Eintragung will das Welterbekomitee die Aufmerksamkeit der politisch Verantwortlichen und das öffentliche Interesse am Schutz der gefährdeten Stätte wecken. Sie soll den zuständigen Staat zum Handeln und die Staatengemeinschaft zur Unterstützung bewegen.


Inwieweit war Bamberg in die Ausrichtung des Welterbekomitees mit eingebunden?

1993 zum Welterbe ernannt verfügt Bamberg über langjährige Erfahrung in der bereichsübergreifenden Koordination einer Welterbestätte. Speziell Themen der nachhaltigen Entwicklung sowie der Welterbepädagogik sind heute in Bamberg wichtiger denn je. Die Komiteesitzung war für uns eine wertvolle Gelegenheit, unser Wissen in Workshops und Vorträgen zu teilen und uns mit anderen Stätten auszutauschen. Innovative Ansätze wie die Bamberger Kultur.Klassen, der Kinderführer durch die Gärtnerstadt oder die Denkmalpatenschaften des Kaiser-Heinrich-Gymnasiums trafen auf reges Interesse.


Besonders stolz sind wir, dass unsere wissenschaftliche Volontärin Hannah Röhlen Deutschland im World Heritage Young Experts Forum vertreten durfte, das im Vorfeld der Sitzung des UNESCO-Welterbekomitees stattfand. Im Rahmen des Forums tauschten sich Nachwuchsexperten aus 33 Ländern über aktuelle Fragen der Erhaltung und des nachhaltigen Managements von Welterbestätten aus. Hierbei zeigte sich, dass die Herausforderungen, denen Welterbestätten heute gegenüber stehen, sich vielerorts gleichen und dass Bamberg mit seinem bereichsübergreifenden Welterbeansatz international als nachahmenswertes Beispiel dient.


Auch nächstes Jahr wird das Welterbekomitee wieder tagen. Steht bereits fest, wo?

Die UNESCO-Delegierten haben einstimmig Istanbul (Türkei) als nächsten Austragungsort gewählt. Istanbul schaut auf eine mehr als 2600 Jahre alte Geschichte zurück und trägt seit 1985 den Titel des Weltkulturerbes.

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