Welterbe Bamberg

Die Altenburg

Die im Ursprung mittelalterliche Altenburg thront weit sichtbar über Bambergs Dächerlandschaft.

Sie ist eines der ältesten Wahrzeichen der Stadt und heute ein beliebtes Ausflugsziel. Aufgrund der sehr guten Erhaltung der teilweise wieder aufgebauten Burganlage ist sie darüber hinaus Sitz einer Gaststätte, sowie Veranstaltungsort verschiedener Feste und Gottesdienste in der zugehörigen Burgkapelle. Die für diese Zwecke gegründete Bürgerinitiative, dem „Altenburgverein e. V.“ kümmert sich um den Erhalt und den Publikumsverkehr der Anlage.

Die Geschichte der Altenburg beginnt im Jahre 1109, als sie erstmals urkundlich erwähnt wird. Anlass hierfür war die Schenkung der Burg an den Kollegiatstift St. Jakob durch Bischof Otto I.. Ihr genaues Alter kann nach dem heutigen Stand der Untersuchungen allerdings nicht festgestellt werden. Vermutungen belaufen sich bereits auf einen Bau aus dem 9. Jahrhundert, wofür der Name der Burg spräche. Dies würde nämlich den Bau einer neuen Burg voraussetzen, die in Form der Babenburg auf dem Domberg, genannt im Jahre 902, zu finden gewesen wäre. Die Bauweise der Altenburg mit den in den Graben vorspringenden Mauertürmen und rundem („Butterfassform“) Bergfried ist typisch für eine Bauweise nach der Zeit der Kreuzzüge und auch sonst lassen sich bislang keine älteren Strukturen nachweisen.

Fakt ist hingegen, dass sich die Burg ab dem frühen 14. Jahrhundert als Residenz der Fürstbischöfe außerordentlicher Beliebtheit erfreute und sie genoss bis einschließlich Mitte des 16. Jahrhunderts dieses Privilegs. Durch die Macht und Ressourcen der wohlhabenden Bischöfe erfährt die Altenburg verschiedene Um- und Ausbaumaßnahmen. So wird die Kapelle der Anlage ausgebaut, sowie das alte Zeughaus durch ein Neues ersetzt. Die heute erhaltende Grundstruktur ist größtenteils in Form der zu dieser Zeit entstehenden Umbauten erhalten, wie etwa der Bergfried, das Torhaus und die Wehrmauern mit ihren Mauertürmen aus dem 15. Jahrhundert.

Ein einschneidendes Datum in der Altenburggeschichte stellt der 27. Mai 1553 dar. Denn an diesem Tag wird die Anlage zu einem Großteil zerstört. Nachdem sie zur Zeit des Bauernkrieges in den Jahren 1524 und 1525 noch den Angriffen der aufgebrachten Bauern trotzen kann, ist sie an jenem bedeutendem Tage durch den Angriff des Markgrafen Albrecht Alcibiades v. Brandenburg-Kulmbach zerstört worden, der sie nach einer kampflosen Übernahme plündern und anzünden ließ. Hierzu genügte ihm alleine die Androhung das schutzlose Bamberg niederzubrennen. Allerdings war der Domschatz, welcher sich noch sechs Jahre zuvor auf der Altenburg befunden hatte, zu diesem Zeitpunkt bereits zusammen mit dem Bischof in der Festung Forchheim untergebracht. Durch den bis dahin existierenden Bischofssitz auf der Burg entstand allerdings auch der glückliche Umstand, dass die Kleriker statt eines Ausbaus der Wehranlagen eher eine Vergrößerung der Residenzgebäude und somit eine Steigerung der Repräsentativität vornahmen, wodurch es Alcibiades bei seiner Brandschatzung mehr an der Zerstörung eben jener prunkvollen Wohnbauten anstatt dem Niederreißen der Mauern und Türme gelegen war.

Der zwar herbe Verlust an den kunstvoll ausgestatteten Gebäuden hinterließ aber auch die Möglichkeit eines Wiederaufbaus aufgrund der erhalten gebliebenen Grundstrukturen, bis zu dessen Beginn allerdings gut 150 Jahre vergehen sollten. Denn erst unter der Regierung der baueifrigen Erzbischöfe von Schönborn (Lothar Franz v. Schönborn 1693-1729; Friedrich Karl v. Schönborn 1729-1746) wird ein ernsthafter Wiederaufbau nach Plänen von Johann Dientzenhofer begonnen. Hierbei werden der Burghof weitgehend ausgeräumt, der Bergfried aufgestockt, sowie der mittlere Mauerturm umgebaut, der Viehstall gedeckt und die Brücke, der Brunnen und das Torhaus wieder aufgebaut. Mit dem Tod Friedrich Karls endet aber vorerst die Bautätigkeit vor der Vollendung aller geplanten Maßnahmen. Ein Wappen der Schönborns am Obergeschoss des Bergfrieds zeugt noch heute davon. Im Jahre 1755 wird aber dennoch eine Burgkapelle geweiht, von der die Kreuzigungsgruppe noch erhalten ist. Die heutige, neugotische Kapelle entsteht aber erst im Jahr 1835 - unter der Mitwirkung von Karl Alexander von Heideloff, dem bedeutendsten Neugotiker Frankens. Sie ist den Hl. Walburga, Philippus und Jacobus geweiht.

Nachdem am 04.07.1801 der bedeutende Arzt Friedrich Adalbert Marcus die Burganlage erwirbt, beginnt ein weiterer wichtiger Abschnitt ihrer Geschichte und der wenige Jahr zuvor angedacht Abbruch der Burg war somit abgewendet. Marcus war nicht nur als großartiger Arzt bekannt, sondern auch als ein Freund von Dichtung und Geselligkeit. Daher wurde neben einer alljährlichen Kirchweih mit Volksfest am 1. Mai eine kleine Gastwirtschaft auf der Altenburg etabliert, um diesen romantischen Ort der Stadt und ihren Bürgern zugänglich zu machen. Somit ist es nicht verwunderlich, dass nach dem Tode Friedrich Adalbert Marcus´, dessen Grab unweit der Burg zu finden ist. Während seiner kurzen Schaffenszeit in Bamberg lebte auch Marcus Freund E.T.A. Hoffmann zeitweise auf der Burg, um sich von der romantischen Umgebung für seine Werke inspirieren zu lassen, was gänzlich der Romantik einer halbruinösen Umgebung in den Vorstellungen des 19. Jahrhunderts entspricht. Heute ist dieser Bereich des Turms auf der nördlichen Wehrmauer als E.T.A.-Hoffmann-Klause bekannt.

Das Obergeschoss im mittleren Mauerturm trägt aufgrund des oftmaligen Besuchs von König Otto v. Griechenland und dessen Gemahlin Amalie dein Namen Amalienklause

Um den drohenden Verfall der Burg nach Marcus´ Tod zu verhindern gründet sich bereits im Jahre 1818 der heutige Altenburgverein, als eine Interessengemeinschaft zur Erhaltung der Burganlage. Eine aus denkmalpflegerischer Sicht bis dato große Leistung, da zu so früher Zeit schon der besondere Wert der Burg als ein „Denkmal des Alterthums“ erkannt wurde. Der Verein stellt somit eine der ältesten Bürgerinitiativen Bambergs dar. Deren erste Handlungen bestehen sogleich darin, bei Bewohnern und Stadtrat Spenden für Reparaturen zu sammeln, um im Gegenzug die Burg dem Publikumsverkehr zu öffnen. Später ließ sich selbst Kronprinz Ludwig für regelmäßige Spenden gewinnen.

Dadurch wurde es möglich, neben einem Neubau der Gaststätte und der Kapelle, das lange geplante Hauptgebäude neu zu errichten. Der im historisierenden Stil errichtete Palas der Altenburg wurde allerdings erst 1902 nach Plänen von Gustav Haeberle fertig gestellt und stellt neben dem frei stehenden Bergfried das dominanteste Gebäude im Inneren der Burg dar. Erwähnenswert ist dabei, dass sich unterhalb des Palas ein noch aus dem Mittelalter stammendes Gewölbe befindet.

Seit seiner Gründung kümmert sich der Verein, wie besonders zwischen den Kriegen und nach dem zweiten Weltkrieg um die Instandsetzung und -haltung der Altenburg, sowie um Verwaltung und Veranstaltungen

Weitere Besonderheiten rund um die Altenburg

An der Außenwand des Bergfrieds hängt ein Eisenkorb, dessen Bedeutung nicht eindeutig geklärt werden kann, der aber schon auf Abbildungen von 1730 zu sehen ist. Da der Turm aufgrund fehlender Schießscharten und seiner schmalen Bauweise jedoch wenig Verteidigungswert besitzt, kann dieser Korb vermutlich für Signalfeuer gedient haben. Dies ist insofern nachvollziehbar, weil hohe Türme zu Nachrichtenübermittlung, ähnlich Telegraphenstationen gedient haben. Von der Altenburg konnte man so die Burgen bei Eltmann, Lisberg und Senftenberg, sowie die Giechburg erreichen.

Eine weitere Besonderheit und Touristenmagnet war Braunbär Poldi, der letzte Burgbär Deutschlands. Gehörte die Haltung eines Burgbären in früherer Zeit zu Normalität, so lebte Poldi, dessen Name von Luitpold Weegmann, dem damaligen Bürgermeister Bambergs stammte, von 1952 bis zu seinem Tod im Jahr 1982 in einem Zwinger mit Freigehege auf der Burg. Heute erinnert der Zwinger mit einem ausgestopften Bären an diese Ära.

Neben dem unweit der Burg befindliche Grab von A. F. Marcus lässt sich auch ein Steinobelisk  aus dem Jahr 1903 finden, der eine besondere Botschaft vermittelt. In östlicher Richtung gelegen, befindet er sich auf einem kleinen Plateau. Darin sind Steine aus den Gebieten der einzelnen Ämter des ehemaligen Hochstifts Bamberg verbaut und soll daher an die hundertjährige Zugehörigkeit zum Land (damals noch Königreich) Bayern erinnern.

Zur Bedeutung der Burg als wichtiges Einzeldenkmal

Die Altenburg vereint in sich eine Vielzahl verschiedenster Aspekte, welche sie zu einem einzigartigen Denkmal für die Welterbestadt Bamberg und deren Umland macht.

Beispielsweise bietet die exponierte Lage der Burg oberhalb der Stadt in 1,5km Entfernung zum Dom, auf einer Räthkuppe gelegen besondere Blickbeziehungen. Zum einen prägt sie von weitem sichtbar das Stadtbild Bambergs und ist somit auf unzähligen historischen wie aktuellen Stadtansichten ein markantes Erkennungsmerkmal der Stadt. Zum anderen bietet der Aufenthalt auf der Burg selbst eine weit reichende Aussicht über das Bamberger Umland. Gerade die Aussicht stellt deshalb einen der wichtigsten Gründe für die Bemühungen der unterschiedlichen Charaktere an der Erhaltung der Burg dar.

Aus historischer und baugeschichtlicher Betrachtung ist die Altenburg ohne Zweifel ein Objekt von besonderem Interesse, vereint sie doch mittelalterliche Grundstrukturen mit verschiedenen weiteren Kunstepochen. Hier sind u. a. die Neugotik (Kapelle) zu nennen, als Ausdruck des als nationalen Baustils Deutschlands geltenden Stils ihrer Zeit, vereint mit Kopien von zwei Tafeln Albrecht Dürers, der als vaterländischer Maler galt. Darüber hinaus sind Historismus (Palas) oder die Nutzung im halbruinösen Zustand zur Zeit der Romantik zu nennen.

Durch das Wirken verschiedenster Akteure auf der Burg sind hier die Spuren einer Vielzahl in Bamberg berühmter Persönlichkeiten zu finden. Da die Burg Sitz der Bischöfe war, haben hier beispielsweise Friedrich Karl von Schönborn, einer der beiden Namensgeber der Universität, Relikte (Schönborn-Wappen) ihrer Regierungsperiode hinterlassen. Andere Namen, die aus den Urkunden der Burg hervorgehen, sind u. a. die berühmten Bamberger Architekten Gustav Haeberle und Johann Dientzenhofer, die Persönlichkeiten Dr. Adalbert Friedrich Marcus (Arzt, Theaterförderer, Namensgeber von Marcus-Haus und Marcus-Platz) und E.T.A. Hoffmann.

Des Weiteren ist sie Beispiel für die sinnvolle Wirkung einer der ersten Bürgerinitiativen der Stadt und die erfolgreiche Nutzung eines Denkmals

 

Weiterführende Literatur

Breuer, T., Die Altenburg bei Bamberg, Dt. Kunstverl, München, 1965

Pfeil, C. v., Die Altenburg ob Bamberg - Baugeschichte u. Funktion, Altenburgverein e.V., Bamberg, 1989

Heller, J., Die Altenburg bei Bamberg - Geschichte und Beschreibung derselben, Urlaub, Bamberg, 1995

 

www.altenburgverein.de

Kl. rotes Rechteck (Bürger) 

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