Hilfsnavigation

28.05.2010

Stadtumbau-West

Die demographische Entwicklung und der wirtschaftliche Strukturwandel zeigen unübersehbare Spuren in den Städten und Gemeinden. Brachflächen und leer stehende Gebäude verdeutlichen den Handlungsbedarf. Mit dem Bund-Länder-Städtebauförderungsprogramm Stadtumbau West steht den Städten und Gemeinden seit 2004 ein neues Förderinstrument zur Verfügung, um die mit dem Strukturwandel verbundenen städtebaulichen Probleme planvoll zu bewältigen und gezielt Impulse für neue Entwicklungen zu setzen.

 

Weitere Informationen zum Stadtumbau West:

Bundestransferstelle Stadtumbau West Externer Link

Oberste Baubehörde im Bayerischen Staatsministerium des Innern Externer Link

Stadtentwicklungskonzept Bamberg

Eine der Voraussetzungen für das Programm „Stadtumbau-West" ist die Erarbeitung eines Stadtentwicklungskonzeptes („SEK"). Das SEK wurde im Frühjahr 2011 vom Bamberger Stadtrat verabschiedet.

Im Vorfeld des SEK wurde im Rahmen des Stadtumbau-West bereits das Gutachten „Kernstadt-Stadtentwicklungsplan Wohnen mit besonderer Berücksichtigung der möglichen militärischen Konversion - Wohnraumversorgungskonzept für die Stadt Bamberg bis 2020" durch das Pestel-Institut erarbeitet.

Der Titel dieses Gutachtens macht deutlich, dass sich für Bamberg im Falle des Abzugs des Militärs enorme Herausforderungen, aber auch Chancen ergeben werden. Herausforderungen, für die unter Umständen der „Stadtumbau-West" die richtigen Antworten bereithält.

Stadtumbaugebiet „Nördliche Insel“

Solange Bamberg aber Garnisonsstandort ist, stellen zwei Altstandorte der Textilindustrie im Norden Bambergs die größten und wichtigsten Herausforderungen im Stadtumbau-West in Bamberg dar.

Deshalb hat der Bamberger Stadtrat zusammen mit dem Beschluss über das Stadtentwicklungskonzept auch das Bamberger Stadtumbaugebiet „Nördliche Insel“ durch formlosen Beschluss festgelegt.

Das Gebiet umfasst dabei

  • alle öffentlichen und privaten Flächen auf der sogenannten Erba (siehe unten) einschließlich der ehemaligen Werkssiedlung und den angrenzenden Flussläufen und den angrenzenden Straßen
  • weitere Grundstücke der Stadt bzw. städtischer Gesellschaften
  • die privaten Gärten im Bereich des Schiffbauplatzes
  • Teilflächen des sogenannten „Schaeffler-Geländes“ (siehe unten)
  • Flächen zwischen Main-Donau-Kanal und Margaretendamm.

Abgrenzung Stadtumbaugebiet nördliche Insel [PDF: 1,6 MB]

Erba und Landesgartenschau

Luftbild Erba-Gelände (Foto: Hajo Dietz)

Das Gelände befindet sich im Stadtteil Gaustadt, ca. zwei Kilometer vom Innenstadtzentrum Bambergs entfernt, auf der nördlichen Inselspitze zwischen den zwei Flussarmen der Regnitz. Die reichlich verfügbare Wasserkraft hatte hier im 19. Jahrhundert die frühe Ansiedlung einer Textilfabrik begünstigt. 1927 schloss sich das Unternehmen mit der Baumwollspinnerei Erlangen zusammen und hieß seitdem Baumwollspinnerei Erlangen - Bamberg („Erba"). Der Ausbau und die Erweiterung sowie die Ergänzung des Geländes mit Werkswohnungen führten zu einer immer umfassenderen Bebauung. Zeitweise beschäftigte das Unternehmen über 1.500 Menschen.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts begann der Niedergang der Textilindustrie in Mitteleuropa. Auch die Erba verlor mehr und mehr Marktanteile und musste ihre Existenz über den Verkauf von unbebauten Grundstücken und Wohngebäuden sichern. Als auch diese Reserven aufgezehrt waren, kam es 1992 schließlich zur endgültigen Stilllegung der Produktion. Zurück blieb eine schulden-, biotop- und altlastenbefrachtete Industriebrache mit gründerzeitlicher Bausubstanz von hohem Charme in städtebaulich hervorragender Lage.

Von Vornherein hat die Stadt Bamberg strikt die Haltung vertreten, dass die Wiederbelebung des Areals nicht über großflächigen Einzelhandel erfolgen darf. Vielmehr stand von Vornherein fest, dass das Gelände aufgrund seiner besonderen Lage (Inselspitze und innenstadtnah) höherwertig genutzt werden muss, auch wenn die Verwirklichung dieser Nutzung länger dauern wird, als die rasche Ansiedlung von Supermärkten mit Großparkplätzen. Erste städtebauliche Konzepte ließ die Stadt Bamberg im Rahmen des „Europan 4"-Wettbewerbes erarbeiten. Ziel war eine Nutzungsmischung aus Wohnen, Dienstleistung und öffentlichen Grünflächen.

Die juristische Restmasse der Erba erlebte unterdessen mehrere Eigentümerwechsel. In dieser Zeit konnte als erster Erfolg das denkmalgeschützte Erba-Wasserkraftwerk an einen Kraftwerksbetreiber aus München verkauft werden.

Im Jahr 2002 gelang der Stadt Bamberg die erfolgreiche Bewerbung um die Landesgartenschau 2012. Seitdem ist eine strategische Zielmarke für die Stadtentwicklung gesetzt. Die Entwicklung einer großen Industriebrache in privater Hand unter den Bedingungen von Altlasten, Biotopen und Schulden stellt allerdings eine große Herausforderung dar, die nur durch das Ineinandergreifen vieler Akteure und Instrumente erfolgreich gelingen kann.

Durch die Ausweisung des Sanierungsgebiets „Erba-Süd“ ist die Sanierung der denkmalgeschützten Hochbauten im Bereich des Baumwolllagers, der Schlichterei, der Spinnerei, des Kesselhauses, des Direktoriums, des Beamtenwohnhauses, des Pförtnerhauses und des Batteurgebäudes überhaupt erst möglich geworden.

Außerhalb des Sanierungsgebietes ist durch den Bau eines Fischpasses eine wertvolle ökologische Aufwertung gelungen, die sich mit der Schaffung des Stadtparkes verbindet. Im Bereich der Neubauflächen ist unter anderem die Ansiedlung der Universität Bamberg gelungen.

Das Ineinandergreifen zahlreicher öffentlicher und privater Maßnahmen macht den großen Erfolg des Stadtumbau-West in Bamberg deutlich:

  • Erschließungsimpulse der Städtebauförderung
  • privaten Sanierungsinvestitionen
  • öffentliche Investition in den Fischpass
  • öffentliche Investition in die Landesgartenschau
  • Ansiedlung der Universität in öffentlich-privater Partnerschaft

Insgesamt ist von einem Investitionsvolumen von einigen Hundert Millionen Euro auszugehen. Die Erba stellt damit nicht nur das größte Stadtentwicklungsprojekt Bambergs dar, sondern wahrscheinlich das größte Stadtentwicklungsprojekt in ganz Oberfranken. 

Schaeffler-Areal


Auch beim sogenannten „Schaefller-Areal“ handelt es sich ursprünglich um eine Textilfabrik. Unternehmensgeschichtlich hängt die Entstehung dieser ursprünglichen Seilerei sogar eng mit der Erba zusammen. Auf Initiative der Betreiber der Baumwollspinnerei in Gaustadt („Erba“) entstand 1885 die „Mechanischen Seilerwarenfabrik AG“ in Bamberg.

Die gesamte Grundanlage der Fabrik wurde innerhalb von nur neun Monaten errichtet. Produziert wurden Garne aus Hanf und Werg, wobei Seile bis zu sechs Zentimeter Durchmesser hergestellt werden konnten. Die Verarbeitungskapazität stieg rasch auf zehn Tonnen Hanf pro Tag an. Ebenso stieg die Zahl der Beschäftigten von anfangs dreihundert Arbeitern auf 575 im Jahr 1910, was die Seilerwarenfabrik zeitweise zum größten industriellen Arbeitgeber in Bamberg werden ließ.

Mit der ansteigenden Produktion entstanden auch neue Gebäude: 1896 und 1906 wurde die Seilerei jeweils vergrößert.1909 entstand der „Arbeiterspeisesaal“. Bis 1910 wurde die Front zur Jäckstraße mit Färberei und Flechterei geschlossen. 1911 entstand ein Sozialgebäude entlang der Lichtenhaidestraße, welches in den 1970er Jahren jüngeren Gebäuden ebenso weichen musste, wie die Arbeiterwohnsiedlung im westlichen Teil des Gebietes.

In den Nachkriegsjahren stieg die Fabrik zu Deutschlands zweitgrößter Hanfspinnerei auf, was im Grunde genommen jedoch nur abbildet, dass Kunstfasern längst auf dem Vormarsch waren und Hanfspinnereien nicht mehr marktfähig.

Deshalb kam es 1963 zur Auflösung der Seilerwarenfabrik.

Die noch heute bekannte Herzogenauracher Firma Schaeffler übernahm daraufhin das Werk und errichtete dort eine Teppichproduktion. In diesem Zusammenhang entstand 1974 das bis heute prägende zentrale große Gebäude auf dem Gelände. Zeitweise stieg die Zahl der Beschäftigten am Standort Bamberg auf über 900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

1989 wurde das Unternehmen nach Belgien verkauft und sodann relativ rasch die Produktion nach Burgebrach, Sachsen und Tschechien verlagert. Seitdem stehen die meisten Gebäude auf dem Gelände in Bamberg leer. Glücklicherweise sind jedoch Unternehmensführung, Verwaltung, Forschung und Entwicklung des heute „Ideale Automotive“ heißenden Unternehmen am Standort Jäckstraße bis heute verblieben.

Die Bezeichnung „Schaeffler“ hat sich allerdings auch nach 1989 noch gehalten, weil dieser Schriftzug außen an den Gebäuden bis heute präsent geblieben ist.

Projekte der Städtebauförderung

Vor dem dargestellten Gesamthintergrund ist es der Stadtsanierung bereits 2004 erfolgreich gelungen, das Gesamtkonzept „Nördliche Insel" in das Bund-Länder-Städtebauförderungsprogramm „Stadtumbau-West“ hineinzuführen.

Im Rahmen dieses Programms wurden bzw. werden wichtige Erschließungsimpulse aus Bund-Länder-Städtebauförderungsmitteln des Stadtumbau-West gefördert:

  • Öffentlicher Grunderwerb für die Fläche des Stadtparks
  • Öffentlicher Grunderwerb im Umfeld der Europabrücke
  • Einzelne kleinere Abbruchmaßnahmen
  • Errichtung des Stegs über den Altarm
  • Errichtung der Notzufahrt Maria-Ward-Straße samt Brücke
  • Verwirklichung der Uferwege von der Markusbrücke bis zur Europabrücke
  • Errichtung des Universitätsplatzes

Links

Weitere Artikel zum Thema

 

20.02.2013

26.04.2012

15.07.2010

13.07.2010

01.07.2010

14.08.2009

24.04.2009

17.11.2006

03.07.2006

Letzte Änderung: 27.02.2013